Christophe Gans, Regisseur (Beauty and the Beast)

Anlässlich der Berlinale 2014 hat sich Cineuropa mit dem französischen Regisseur Christophe Gans über seine Adaptation von Die Schöne und das Biest unterhalten. Sein Film wurde auf der Berlinale außer Konkurrenz präsentiert. Beauty and the Beast, mit Léa Seydoux als der Schönen und Vincent Cassel als dem Biest, wird am 30. April auf VOD-Plattformen in Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland veröffentlicht.

Woher kommt ihre Faszination für diese Geschichte?

Ich engagiere mich sehr für den Tierschutz. Alleine aus diesem Grund hat mich die Geschichte schon immer sehr gerührt. Und außerdem bewundere ich Jean Cocteaus Adaptation von Beauty and the Beast, die ich zum ersten Mal im Alter von fünf Jahren gesehen habe. Dieser Film ist wie ein Traum, und so empfinde ich ihn auch heute noch. Aber nachdem ich die Geschichte nochmals gelesen habe, ist mir aufgefallen, dass Cocteau nur einen sehr kleinen Teil davon in seinem Film behandelt und dass er sich in erster Linie auf das Biest und seiner Beziehung mit der Kamera konzentriert. Natürlich werden auch seine Beziehung mit Jean Marais und die Tatsache, dass sich dieser mit dem Biest identifizieren kann, behandelt. Aber trotzdem bleibt Belle ganz klar eine Nebenfigur in seiner Adaptation. Ich wollte eher Belle, ihren anfänglichen Weg und ihren Übergang vom Kind zur Frau in den Mittelpunkt meiner Geschichte stellen. Léa Seydoux verkörpert diese beiden Aspekte perfekt - und das ist eine Qualität, die eher selten zu finden ist.Wir haben einen Familienfilm gedreht, aber einen, der sich auf zwei Arten interpretieren lässt. Das wird in vielen Szenen und grafischen Elementen, wie beispielsweise der Spiegel, der ganz eindeutig die Form einer Vulva hat, auch deutlich ...

Hat sie der Animationsfilm von Disney beeinflusst?

 Als dieser Film 1993 in die Kinos kam, war ich bereits zu alt, als dass er mich hätte beeinflussen können und generell mag ich diese Adaptation nicht besonders. Sie ist zu sauber, weicht nie vom vorgegebenen Weg ab. Aber wir haben die Tanzszene aus dieser Version übernommen, da es für alle Involvierten undenkbar war, eine neue Adaptation von Beauty and the Beast ohne diese Szene zu drehen. Immerhin bleibt sie eines der eindruckvollsten Bilder der animierten Disney-Version.

Warum haben sie sich selbst das Leben schwer gemacht, indem sie Eduardo Noriega gewählt haben, dessen Stimme im Anschluss synchronisiert werden musste?

Vincent Cassel ist einzigartig in Frankreich. Ich brauchte einen Schauspieler, der eine ähnliche Atmosphäre wie er verbreiten kann, um ihm einen angemessenen Feind zu schaffen. Wir haben mit der Idee gespielt, die Rolle mit dem italienischen Schauspieler Riccardo Scamarrcio zu besetzen, aber schlussendlich haben wir uns für Eduardo Noriega entschieden, der, auf seine Art und Weise, Spaniens Antwort auf Vincent Cassel ist. Er hat alle seine Szenen auf Französisch gesprochen, wir waren dann aber der Meinung, dass sein Akzent etwas zu stark für seine Figur ist und haben seine Stimme deshalb letztendlich synchronisiert. Eduardo war mit dieser Entscheidung voll und ganz einverstanden und es ändert weder etwas an seiner schauspielerischen Leistung noch an seinem Charisma.

Was im Film entsprang dem Bluescreen und was sind echte Kulissen?

Abgesehen von den Kulissen, die für den Speisesaal und Belles Schlafzimmer gebaut wurden, wurde alles digital erzeugt. Die einzige Sequenz, die wir vor Ort gedreht haben, ist die Verfolgungsjad im Wald. Die Farben waren äúßerst wichtig. Ich bin ein großer Fan von Michael Powells Film Black Narcissus (1947). Wir haben uns für diesen Film stark von Jack Cardiffs Fotografien inspirieren lassen: satte, organische Farben in Technicolor, Farbpaletten, die wirklich Belles Psyche wiederspiegeln.

Kann der europäische Blockbuster Ihrer Meinung nach gegen die Hollywood- Blockbuster konkurrieren?

Das Budget von Beauty and the Beast ist in etwa das einer großen europäischen Komödie. Mein Film kostet 35 Millionen € und Dany Boons neue Komödie 32 Millionen €. Wir können auf jeden Fall mit den amerikanischen Blockbustern konkurrieren, erst recht da unsere Filme weniger kosten. Das erfordert eine sorgfältige Vorbereitung mit Leuten, die wissen was sie tun, und die wir hier in Europa haben. Deshalb müssen wir unsere Franchisen heimholen, unsere Märchen, griechischen Mythologien oder Jules Vernes Erzählungen zum Beispiel, um sie zu europäischen Blockbustern zu machen. Als ich angekündigt habe, dass ich Beauty and the Beast drehe, hat Hollywood gleichzeitig angekündigt, dass sie zwei andere Adaptationen der Geschichte drehen; eine von Guillermo Del Toro mit Emma Watson und eine andere von den Disney Studios. Mein Film läuft heute bereits in den Kinos, die zwei amerikanischen Projekte haben noch nicht einmal begonnen. Diese Versionen kosten zu viel Geld und deswegen dauert es eine Ewigkeit, bis sie umgesetzt werden können. In Hollywood kostet ein solcher Film 200 Millionen $, das heißt, dass die Studios 600 Millionen $ benötigen, um ihre Investitionskosten wieder hereinzuholen. Kein amerikanischer Film verkauft sich so gut im eigenen Land. Beauty and the Beast hingegen braucht nur drei Millionen Besucher, da seine Produktionskosten nicht so hoch sind. Schon jetzt, in der ersten Woche nach Erscheinen des Films, sind wir in Frankreich nicht mehr so weit entfert von einer Million Besuchern und der Film wurde an viele Länder verkauft ...

Sonntag, 5. April 2015, von Cineuropa

 

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