Interview mit Janez Burger, Regisseur von Silent Sonata

Silent Sonata war der slowenische Beitrag im Rennen um den Oscar für den besten Fremdsprachigen Film 2012 und wurde, nachdem er 2011 erschienen ist, auf zahlreichen Festivals in der ganzen Welt gezeigt (International Film Festival Rotterdam 2011, Haifa International Film Festival 2011, Tokyo International Film Festival 2011, MedFilm Festival Rom 2011 und viele andere). Ab dem 30. September wird der Film als VoD in Dänemark, Norwegen, Frankreich und der Tschechischen Republik als Teil der Walk This Way Premium-Filme Kollektion verfügbar sein.

Während des „International Film Festival Rotterdam“ im Jahr 2011 hat Cineuropa die Chance genutzt, um mit dem slowenischen Regisseur Janez Burger (Idle Running, Ruins und sein neuester Film Avtošola) über seinen dritten Spielfilm zu sprechen.

Das Thema Krieg
Krieg ist allgegenwärtig. Wir leben in einer globalisierten Welt, weswegen wir ständig mit Kriegen konfrontiert sind. Wenn Sie den Fernseher einschalten, haben Sie Krieg in Ihrem Wohnzimmer. Genau das wollte ich machen: Einen abstrakten Film, der nicht von einem bestimmten Krieg handelt, da sich die ganze Welt in Wahrheit im Krieg befindet. Aber andererseits hört man, wenn man den Fernseher einschaltet, alle diese Reden, wie es beispielsweise der Fall war, als die NATO und die Vereinigten Staaten den Krieg in Afghanistan oder Irak vorbereitet haben. Viele Worte sind damals gefallen und vor allem viele Lügen. Wir alle waren mit viel Kriegspropaganda konfrontiert. Deshalb habe ich mir gesagt, „sollte ich einen Kriegsfilm machen, dann einen ganz ohne Worte, denn im Krieg sind Worte Lügen, ich brauche sie also nicht.“

Eine internationale Besetzung
Produktionstechnisch gesehen war es jedoch um einiges schwieriger diese Idee zu verwirklichen. Weil wir in Slowenien keine Zirkuskünstler haben, haben wir riesige Castings in Berlin und Paris veranstaltet, zu denen wir alle möglichen Zirkuskünstler eingeladen haben und unter denen wir schließlich ein paar für den Film ausgewählt haben.

Ein Zirkusfilm
Nein, ich denke es ist mehr ein Film darüber, dass das Leben mehrere Perspektiven oder verschiedene Dimensionen hat. In diesem Film sind nicht einmal tote Menschen tot – sie sind am Leben, aber in einer anderen Dimension. Davon handelt der Film. Ich denke nicht, dass er so sehr vom Zirkus oder Showbusiness handelt, aber andererseits haben wir diese „Krieg ist eine Art des Showbusiness“-Thematik und „Zirkus ist eine Art des Showbusiness“-Thematik, die im Film aufeinanderprallen.

Der Titel
In Slowenien heißt der Film Circus Fantasticus, weil er dort der einzige Film mit „circus“ im Titel ist. Aber auf dem internationalen Markt gibt es dieses Jahr viele „irgendetwas-Cirucs-irgendetwas“-Filme. Da so viele Filme „Circus“ im Titel haben, waren die Verkaufsagenten von Fortissimo Films der Ansicht, dass es unmöglich ist den Film unter dem Titel Circus Fantasticus zu verkaufen, und haben ihn deswegen geändert. Als ich gestern den Film sah, fand ich sogar, dass der neue Titel passender ist. Wäre es nicht mein Film, so würde ich lieber Silent Sonata als Circus Fantasticus ansehen.

Das visuelle Konzept
Ich wollte den ganzen Film nur auf horizontaler Ebene haben. Deswegen habe ich ihn im Cinemascope-Format gedreht. Es ging mir dabei mehr oder weniger um die letzte Szene. Den ganzen Film über befindet man sich auf horizontaler Ebene, man sieht die Horizontale und dann, ganz zum Schluss, hat man diese Aufnahme von oben. Das war so gewollt. Das war die Idee.

Ein Drehbuch für einen Film ohne Dialoge schreiben
Es handelt sich nicht um ein Schreibproblem, sondern vielmehr um ein Leseproblem würde ich sagen. Denn die Leute, die das Drehbuch gelesen haben, hatten Probleme damit: „Wie soll ich einen Film mit nur 20 Seiten drehen?“ „Ein Spielfilm auf 20 Seiten? Das ist unmöglich!“ Aber ich wusste, dass es machbar ist, da es ein Spielfilm und kein Kurzfilm ist. Ich weiß nicht, wie ich noch mehr Seiten schreiben soll, denn das Drehbuch ist auf folgende Art und Weise geschrieben: „Alter Mann kann sein Brot nicht nehmen. Sechs Minuten.“ Das ist eine Zeile. Man kann nicht 10 Seiten darüber schreiben. Ich habe das Drehbuch in 10 Tagen geschrieben.

Produktion
Es war gut, dass nicht nur slowenisches Geld in die Produktion geflossen ist, sondern ich ein größeres Budget hatte. Das war eindeutig einer der Vorteile der Koproduktion. Außerdem konnte ich mit wirklich begabten Fachleuten arbeiten. Ein Tonspezialist, die tollen Marionetten, die wir anfertigen ließen, usw. Und ich konnte in Irland drehen, denn hier in Slowenien haben wir kein Meer, keine Küste. Das war echt toll. Ich bin wirklich froh, dass wir uns für eine Koproduktion entschieden haben, denn so mussten wir uns nicht den Kopf über Geld und die Dreharbeiten zerbrechen. Wir hatten auch ein paar Leute aus Finnland, was uns mit der Geldfrage geholfen hat. Und die Postproduktion fand in Schweden statt – alles eine Geldfrage.

Das Interview (auf Englisch) in voller Länge finden Sie auf: 


Montag, 12. Oktober 2015, von Cineuropa

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