Interview: Gabriele Salvatores, Regisseur von Der unsichtbare Junge

Gabriele Salvatores beschreibt seinen Spielfilm Der unsichtbare Junge, der ab dem 11. April als Video on Demand in der Walk this Way Kollektion Premium-Filme zu entdecken ist, als einen italienischen Fantasyfilm. Er handelt von Michele (Ludovico Girardello), ein Jugendlicher, dessen Leben auf den Kopf gestellt wird, als er eines Tages in den Spiegel schaut und entdeckt, dass er unsichtbar geworden ist.

Cineuropa hat den Regisseur 2014 getroffen:

Wie ist Ihnen die Idee gekommen, einen Film über einen jungen, unsichtbaren Superhelden zu machen?
Nicola Giuliano, eine der Produzentinnen, hatte die Idee bereits vor fünf Jahren. Sie wollte ganz einfach einen Film drehen, der auch ihren Kindern gefallen könnte. Mir persönlich gefiel die Idee, mich mit der Superkraft Unsichtbarkeit zu beschäftigen und eine authentische und abenteuerliche Geschichte über Jugendliche zu erzählen, in der an einem gewissen Punkt auch Potenzial für eine Superheldin besteht. Inspiriert haben mich Autoren wie Jack London und Joseph Conrad und ich wollte verschiedenste Themen behandeln wie etwa der geheime Freund, der Spiegel, das Doppelte, die Person, die in uns verborgen ist. Der Film thematisiert auch das Mobbing in der Schule, aus dem der Wille entspringt, seinen Peinigern zu trotzen, und die Wut, die dazu dient, sich eine andere Welt zu schaffen. Es hat noch nie einen 14-jährigen Superhelden gegeben, aber wir sehen ihn hier nicht, wie er dafür kämpft, die Welt zu retten, sondern vielmehr, wie er sich den Monstern des Alltags stellt.

Welche Comic-Helden haben Sie am meisten beeinflusst?
Ich bin in den 1950er Jahren geboren. Für mich waren Superhelden also Personen wie Mao Tsé-Tung. Als Kind habe ich nie Comics gelesen, außer den Abenteuern von Flash Gordon, der aber kein Superheld ist. Erst später wurden Comics Teil meines Lebens, da sie sehr eng mit dem Kino verbunden sind. Eine Comicfigur, die ich schon immer geliebt habe, ist Hugo Pratts Corto Maltese. Und die Werke der großartigen Science-Fiction-Comiczeichner Enki Bilal und Moebius. Und schließlich Spiderman, den ich aber erst später entdeckt habe.

In Der unsichtbare Junge sind Elemente der X-Men-Filme, aber auch des Films So finster die Nacht des schwedischen Regisseurs Tomas Alfredson zu erkennen.
Ich mag die Verschiedenartigkeit und Andersartigkeit der X-Men. Eine Superkraft zu haben, bedeutet anders zu sein, und ist in diesem Fall auch ein klein wenig ein Fluch, eine Krankheit. Der Film sollte auch eine Hommage auf das Kino der 1980er Jahre sein, auf Filme wie Die Goonies und Gremlins, in denen Kinder Abenteuer erleben, an denen sie wachsen. Steven Spielberg war der erste, der Science-Fiction mit Figuren aus der realen Welt verbindet. Wir haben uns auch an etwas düstereren Filmen wie Watchmen – Die Wächter und Unbreakable – Unzerbrechlich inspiriert, die die Superhelden auf eine ganz eigene Art und Weise darstellen, die uns eher vertraut ist. Und selbstverständlich liebe ich den Film So finster die Nacht, der Der unsichtbare Junge sehr ähnelt.

Der Film hat ein offenes Ende … Wird es eine Fortsetzung geben?
Das offene Ende ist typisch für dieses Filmgenre. Wir hoffen, dass die Leute einen zweiten Film sehen wollen und haben bereits Ideen für eine Fortsetzung. Ich habe den Beginn einer möglichen Fortsetzung gelesen, den die Drehbuchautoren geschrieben haben, und dieses Mal könnte der Film von einem unsichtbaren Mädchen handeln...

Mehr über Der unsichtbare Junge:

Freitag, 8. April 2016, von Cineuropa

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