Interview: Malgorzata Szumowska, Regisseurin von Body

In Body, ab 28. November Teil der Kollektion Award Winning Dramas von Walk this Way, erforscht die polnische Regisseurin Malgorzata Szumowska, wie Menschen ihren Körper nutzen können, um der Realität zu entfliehen.

Janusz (Janusz Gajos) fürchtet, dass sich seine Tochter Olga (Justyna Suwala) aufgrund ihrer Anorexie schweren Schaden zufügen könnte. Beide haben den Tod von Olgas Mutter noch nicht überwunden. Janusz findet Anna (Maja Ostaszewska), eine Psychiaterin, die behauptet, dass sie mit verstorbenen Angehörigen Kontakt aufnehmen kann, und schickt Olga zu ihr in Behandlung. Anna muss aber gleichzeitig einen eigenen Verlust verarbeiten und tut dies auf ungewöhnliche Weise.

Der Film ist eine dunkle Komödie – ein Film zum Besserfühlen, der aber auch sehr schwierige Themen wie körperliche Probleme und Obsessionen anspricht. Die polnische Regisseurin gewann für diesen Film den Silbernen Bären bei der Berlinale 2015 für die Beste Regie und wurde auch in ihrer Heimat mit vier Auszeichnungen beim polnischen Filmpreis gefeiert.

Cineuropa hat sich mit Malgorzata Szumowska getroffen, um über die wichtigsten Aspekte des Films zu sprechen.

DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

„Wir dachte ursprünglich daran, einen Film nur über Anorexie zu machen, das fühlte sich aber zu isoliert an. So ein Film kann sehr brutal und schwierig zu verstehen sein. Diese Idee hinterließ bei uns aber ein großes Interesse am menschlichen Körper und an der Beziehung zu toten Körpern. Anna sucht etwas, das über den physischen Körper hinausgeht – den spirituellen Körper. Eigentlich sollte der Titel des Filmes „Soul“ sein, daraus wurde aber schließlich „Body“. Was um einiges weniger großspurig ist.”

DIE CHARACTERE

„Anna respektiert ihren Körper, weil sie gebildet ist. Sie denkt aber gar nicht in sexueller Weise daran. Sie öffnet sich ihrer Sexualität nicht, sondern nutzt ihren Körper nur für die Arbeit. Das ist ihre einzige Leidenschaft. Alle Charaktere leben in einer Welt voller Illusionen und Obsessionen. Janusz, zum Beispiel, arbeitet nur andauernd, weil er nicht weiß, wie er seine Tochter erziehen soll. Seine Tochter wiederum kann sich nur darauf konzentrieren, ob sie isst oder nicht isst. Sie haben alle ihre eigene Krankheit, um der Realität zu entfliehen, letztendlich müssen sie sich aber einander stellen und erkennen, dass ihnen die ganze Zeit etwas abgegangen ist.”

SCHWARZER HUMOR

„Zu Beginn wollten wir eine Komödie machen, nicht einfach komisch, sondern eine Mischung zwischen dunkler Komödie und Drama. Aber bei der ersten Test-Vorführung hat das dem Publikum gar nicht gefallen. Wir waren enttäuscht. Dem europäischen Publikum hat es aber doch gefallen und die Zuseher meinten, es sei eine Komödie. So wussten wir, dass wir etwas dazwischen geschaffen hatten.”

SOZIALER HINTERGRUND

„Ich wollte einen Teil der polnischen Gesellschaft porträtieren. Das ist grundlegend für den Film. Warschau hat kein hippes und auch kein schickes Viertel, es gibt auch kein Armenviertel. Warschau ist eine ehemals kommunistische Stadt, gleichzeitig hässlich und schön, alles wird vermischt. Ich musste das in Body zeigen. Nur die schicke Seite Polens zu zeigen, wäre nicht ehrlich.”

ERSCHEINUNGEN

„Die Polen glauben wirklich an Geister. Ich nicht, aber viele Leute schon noch. Selbst viele meiner Freunde glauben daran. Ich respektiere das. Es handelt sich um eine sehr alte Tradition. Selbst in der Stadt glauben die Menschen an Geister. Ich mache mich nicht darüber lustig. Dieser Glaube kann dich schützen und dir dabei helfen, mit der Realität und mit der eigenen Spiritualität klarzukommen.”

 

Donnerstag, 24. November 2016, von Cineuropa

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