Der Domino Effekt, der das Ansehen von Abchasien steigern soll

Aus der Reihe Dokumentarfilme aus aller Welt folgt nun Domino Effekt im Anschluss an Mama Africa über die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba, Mein Weg nach Olympia, die Geschichte von körperlich behinderten Athleten während ihrer Vorbereitung auf die Paralympischen Spiele, und Harbour of Hopeüber ankommende Holocaustüberlebende im schwedischen Hafen Malmö. Domino Effektführt uns in den praktisch unbekannten Staat Abchasiens ein und folgt dem privaten und beruflichen Leben des Sportministers Rafael, einem früheren Rebellenführer.

Der Dokumentarfilm spielt in Sochumi, einem heruntergekommenen Ferienort an der Küste des Schwarzen Meeres und gleichzeitig Hauptstadt von Abchasien. Die Region mit 215 000 Einwohnern war bis 1992 Teil von Georgien und wird von Russland kontrolliert.

Trotz der konstanten Stromausfälle, der verlassenen Gebäude, dem Mangel an talentierten heimischen Athleten und dem geringen Interesse an organisierten Sportveranstaltungen in Abchasien, entscheidet sich Sportminister Rafael dazu, die Domino-Weltmeisterschaft in seinem Land auszutragen. Dies soll dem Land, welches bisher größtenteils unbekannt und zu dem Zeitpunkt lediglich von sechs Staaten anerkannt wurde, zu einer Form von Ansehen verhelfen. Trotz der beschränkten Ressourcen des Landes konnten die internationalen Vertreter angemessen aufgenommen werden: dank Proben der Nationalhymne, dem Abhalten von Pressekonferenzen und weiteren Vorbereitungen.

In diesem tragisch-komischen und teilweise ironischen Dokumentarfilm, der im Stil eines Spielfilms gehalten wird, widmen sich die polnischen Regisseure Piotr Rosolowski und Elwira Niewiera ebenfalls dem Privatleben Rafaels. Dabei gilt die Aufmerksamkeit zudem seiner schwangeren jungen Frau Natasha, die Russland und ihre Tochter aus erster Ehe zurückgelassen hat, um gemeinsam mit dem abchasischen Minister zu leben. Isoliert und ignoriert von den Einheimischen und ihrer angeheirateten Verwandtschaft, und teilweise ebenfalls vom Ehemann missverstanden, gelingt es Natasha nicht in der neuen Heimat ihrer Leidenschaft nachzugehen – der Oper. Zuvor hatte sie Russland hierin in mehreren internationalen Wettbewerben vertreten.

Abchasien versucht, ebenso wie dieses  Paar, ein Gleichgewicht zu finden. Domino Effekt spiegelt die familiären Konflikte und die politische Realität eines kleinen Landes wider. Dabei grenzt der Film teilweise ans Absurde, die es einem schwer macht zu glauben, dass dieses außergewöhnliche Paar, welches in einem Apartment ohne Charme lebt, eines der wichtigsten Paare in dem jungen Staat sein soll.

Ausgezeichnet beim Krakow Film Festival 2014, DOK Leipzig 2014 und dem Budapest International Documentary Festival 2014, wurde Domino Effekt ebenfalls für den Polnischen Filmpreis 2015 nominiert.

In den Genuss des Films kann man seit dem 15. Mai in Spanien, Norwegen, Italien, Großbritannien, Belgien und Irland kommen.

Mittwoch, 17. Juni 2015, von Cineuropa

facebook

twitter

youtube