Malmö, Harbour of Hope, ein Hafen der Hoffnung für 30 000 Überlebende der Konzentrationslager

Während der Film Son of Saul von László Nemes, der einen jüdischen Gefangenen im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau begleitet, großes Aufsehen erregte und den Großen Preis der Jury beim Filmfestival in Cannes in 2015 gewann, sind weiterhin noch nicht alle Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs ans Licht gekommen.

In Harbour of Hope(2011) thematisiert der schwedische Regisseur Magnus Gertten ein bislang wenig bekanntes Ereignis: im Frühjahr 1945 kommen, mit der Hilfe des schwedischen Roten Kreuzes, 30 000 Überlebende aus den Konzentrationslagern im kleinen Hafen von Malmö im neutralen Schweden an Land.

Die Herangehensweise des Regisseurs, um die Dokumentation dieses historischen Ereignisses zu bewältigen, umfasst den Einsatz von zahlreichen Filmen und Archivbildern sowie Kommentare von drei Überlebenden, die damals in Malmö ankamen:

Irene Krausz-Fainman, kam mit acht Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter an. „Meine Mutter verbarg die Realität im Konzentrationslager vor mir und hat sich immer geweigert, mir zu erzählen, was während des zweiten Weltkriegs passiert ist, ” erklärt Irene, die seitdem in Südafrika lebt.

Ewa Kabacinska Jansson, in Ravensbrück geboren, kam als Baby mit ihrer Mutter in Malmö an und lebt seitdem in Ystad, Schweden. Ewa hat ihr ganzes Leben lang damit verbracht, die Wahrheit über die Identität ihres Vater herauszubekommen.

Joe Rozenberg hat beinahe seine ganze Familie in den Lagern verloren und kam alleine als Jugendlicher in Malmö an. Seine Ankunft in Schweden markiert den Anfang seines neuen Lebens, durch die Freundschaft, die er mit einem Helfer des Roten Kreuzes, Stig Kinnhagen, geschmiedet hatte. Mittlerweile lebt Joe in Minneapolis in den Vereinigten Staaten, wo er sich um seine Frau kümmert, die er, ebenfalls Überlebende des Konzentrationslagers, in Schweden kennenlernte.

In Harbour of Hope, erzählen sie von den Lagern, ihren Kindheitserinnerungen und ihrer Ankunft im Hafen von Malmö; einem Symbol für die wiedererlangte Freiheit, dem Versuch wieder ein normales Leben zu führen, und der Hoffnung auf eine bessere und friedliche Zukunft. Ein Zufluchtsort des Friedens, wo sie ihr neues Leben begannen, weit von ihrer Herkunft in Zentraleuropa entfernt.

Harbour of Hope ist der Film, den mein Vater Gustaf immer wollte, ich würde ihn drehen,” erklärt der Regisseur. „Mit 15 Jahren sah mein Vater die Schiffe mit den Überlebenden aus den Konzentrationslagern im Hafen von Malmö ankommen. Diese Erfahrung hat sein Leben verändert, wie auch für viele andere Einwohner Malmös.”

Im Anschluss an die internationale Premiere beim Thessaloniki Dokumentarfilmfestival 2011 ist Harbour of Hope um die Welt gereist. Im Laufe seiner Reisen sind dem Regisseur weitere Geschichten von Überlebenden bekannt geworden, die bisher noch nicht dokumentiert worden sind. Diese neue Sammlung ist in seinem aktuellen Dokumentarfilm Every Face Has a Name, im April 2015 in Schweden veröffentlicht, vereint.

Harbour of Hope ist Teil der Sammlung Dokumentarfilme aus aller Welt von Walk this Way und ist ab dem 15. Mai in Spanien, Dänemark, Großbritannien, Belgien und der Türkei verfügbar.

Dienstag, 23. Juni 2015, von Cineuropa

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