Red Forest Hotel: Hausarrest wegen Nachforschungen zu Greenwashing in China

China, eine ökonomische Größe – und ein ebenso gigantischer Umweltsünder – hat es sich zum Ziel gemacht, den Klimawandel durch effiziente Methoden zu  bekämpfen: Ein neues Klimaprogramm ist dabei entstanden und Teil dessen ist ein massives Baumpflanzungsprojekt. Was sich zunächst nach einem vorbildlichen Umweltschutzprojekt anhört, entpuppt sich als ein ökonomisches Interesse.

Der finnische Regisseur Mika Koskinen ist Kameramann mit Sitz in Peking, von wo aus er seine Nachforschungen zu Chinas Baumpflanzungsprojekt, welches von dem finnischen Forstunternehmen Stora Enso unterstützt wird, beginnt. Mit seiner Kamera begleitet er Schulklassen, Unternehmen und chinesische Bürger bei der Ausübung ihrer Pflicht Bäume zu pflanzen. Bis zu diesem Punkt trifft er auf keine Probleme bei seinem Projekt: einem Dokumentarfilm über Chinas großangelegte Baumpflanzungsaktion.

Erst als er versucht den Rechtsanwalt Yang Zaixin in der Guangxi Provinz im Süden Chinas zu treffen, gerät er in Schwierigkeiten. Ein weiterer Riese, Stora Enso, hat in dieser Region begonnen, Bäume in noch größeren Dimensionen zu pflanzen. Berichte von Beschaffung von weiteren Gebieten durch Einsatz von Gewalt gegenüber den lokalen Bauern veranlassen Koskinen dazu, den Anwalt zu kontaktieren.

Das Treffen beider eröffnet seinen Dokumentarfilm und verschiebt den Fokus des Films deutlich auf die Unverfügbarkeit seiner Interviewpartner. Diese verschwinden, während er wiederum quasi unter Hausarrest in einem Hotel steht: dem Red Forest Hotel. Er entschließt sich dazu, weiter zu filmen und lässt seine Kamera heimlich weiterlaufen, ähnlich einer Überwachungskamera. Während er so tut, als würde er die Funktionäre nicht verstehen, filmt er weiter, während sie darum bemüht sind, ihn bei der Stange zu halten. Es herrscht eine angespannte Atmosphäre und sie versuchen ihn mit Abendessen zu beschäftigen und von weiteren Nachforschungen abzuhalten, während er auf seine Drehgenehmigungen für die Interviews mit den lokalen Bauern wartet. Als es ihm endlich (ein Jahre später) in einem zweiten Anlauf gelingt, die Interviews mit den lokalen Bauern zu drehen, kommen die Zielsetzungen und die Konsequenzen von Stora Ensos Kampagne mehr und mehr ans Licht.

Red Forest Hotel hatte seine Premiere 2011 beim IDFA Green Screen Docs Wettbewerb und ist jetzt als VoD in der Reihe Dokumentarfilme aus aller Welt von Walk this Way verfügbar. Der Film ist seit dem 15. Mai in Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Irland, den Niederlanden, der Türkei und Luxemburg disponibel.

Dienstag, 30. Juni 2015, von Cineuropa

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