Große Geister denken gleich Vol. 1 – Zwei Verfilmungen

„Cocteau lässt viele Türen offen und ich bin mit meiner eigenen Version durch sie gegangen” – Christophe Gans’ Beauty and the Beast

Eine der bekanntesten Verfilmungen im Walk This Way Katalog ist Christophe Gans’ Version von The Beauty and the Beast (2014). Mithilfe von Spezialeffekten und 3D-Animationen erweckt Gans das Märchen, das erstmals 1740 von Madame de Villeneuve veröffentlicht wurde, zu neuem Leben. Die Geschichte hat mehrere Metamorphosen durchgemacht: So ist sie anfangs vor allem durch eine kürzere Version des französischen Autors Jeanne-Marie Leprince de Beaumont (1756) bekannt geworden. Erst später fand sie ihren Weg zum Film, nämlich 1946, als Jean Cocteau seine berühmte Erstverfilmung als Live-Action-Film herausbrachte.
Gans ist der Ansicht, dass das Erbe der Vergangenheit auf der Adaptation des Materials lastet, dass es ein Echo der Geschichte selbst ist. „Ich wollte nicht Cocteaus Version neu verfilmen, sondern lieber das Märchens selbst. […] Cocteau lässt viele Türen offen und ich bin mit meiner eigenen Version durch sie gegangen“, sagt der Regisseur, als er erzählt, was ihn dazu bewegt hat, das Märchen zu neuem Leben zu erwecken.
Eine dieser offenen Türen war Belles Rolle, die Gans in der Verfilmung von 1946 als eher nebensächlich empfindet. Deshalb hat er beschlossen, sie in seiner Version in den Mittelpunkt zu stellen. „Ich wollte Belle, ihren anfänglichen Weg und ihren Übergang vom Kind zur Frau in den Mittelpunkt meiner Geschichte stellen.”
Adaptionen und Remakes von früheren Filmen ergänzen ihre Vorgänger oft und tragen außerdem zu einem gewissen Kultstatus bei. Gans zollt seinen Vorgängerfilmen Anerkennung, indem er die Tanzszene der Disneyversion (1993) beibehält. „Es war undenkbar, eine Neuverfilmung von Beauty and the Beast ohne diese Szene zu drehen. Immerhin bleibt sie eines der eindruckvollsten Bilder der animierten Disney-Version”, erzählt Gans.
Sehen Sie sich die bezaubernde Disney-Tanzszene hier an und vergleichen Sie sie mit Gans Interpretation mit Léa Seydoux und Vincent Cassel in den Hauptrollen. Als VoD im Premium-Filme Katalog verfügbar.
Eine Auswahl an Verfilmungen und Neuverfilmungen:

  • Die Schöne und das Biest (Frankreich 1946) Regisseur: Jean Cocteau – Diente Gans, seinen Schauspielern (Lesen Sie die Interviews mit Christophe Gans, Léa Seydoux & Vincent Cassel) und vielen mehr als Inspiration. 
  • Die feuerrote Blume (UdSSR 1978) Regisseurin: Irina Powolozkaja - eine russische Adaptation                                 
  • Beauty and the Beast (aka Blood of Beasts 2005) Regisseur: David Lister – Der Film spielt in der Wikingerzeit.

 „Man kann also sagen, dass ich in diesem Roman ein Versprechen gefunden habe, nämlich narratives und visuelles Vergnügen ... Mit anderen Worten, das Versprechen puren cineastischen Vergnügens!“ – The Monk von Dominik Moll

The Monk (1796) wurde in einer ähnlichen Epoche, in angeblich nur 10 Wochen, vom damals 19-jährigen Matthew Gregory Lewis geschrieben. Mehrere Jahrhunderte später diente der Roman Dominik Moll als Grundlage für seine Verfilmung: The Monk (2011), mit Vincent Cassel in der Rolle des tugendhaften Bruder Ambrosio, der sich von der verbotenen Frucht verführen lässt und dabei vom Pfad der Tugend abkommt (Lesen Sie den Artikel hier).
Als Teil der Walk This Way Premium-Filme baut The Monk auf dem Skandal auf, den der Roman bei seiner Veröffentlichung auslöste. Aber Moll gibt zu, dass „die Geschichte heute bei weitem nicht mehr als so skandalös empfunden wird wie damals“. Der skandalöse Aspekt ist übrigens nicht die größte Sensation des Buches. In der heutigen Zeit scheint die Story viel neckischer und weit weniger schockierend als beispielsweise einige der Werke des Marquis de Sade, einer von Lewis‘ Zeitgenossen. „Im 18. Jahrhundert jedoch war die erste unzensierte Ausgabe sehr begehrt, da in der zweiten Ausgabe (1798) die umstrittensten und unmoralischsten Stellen gestrichen worden sind. Was der Regisseur jedoch trotzdem in diesem Werk findet, ist „ ein Versprechen: narratives und visuelles Vergnügen ... In anderen Worten, das Versprechen puren cineastischen Vergnügens!“. Und genau dieses hat Molls Interesse geweckt, diesen Schauerroman, der auch andere Schriftsteller wie etwa E.T.A. Hoffmann (Die Elixiere des Teufels) und Victor Hugo (Der Glöckner von Notre-Dame) inspiriert hat, zu verfilmen.
Eine Auswahl an Verfilmungen und Neuverfilmungen:

  • Le Moine, de Lewis, raconté par Antonin Artaud (1931) Autor: Antonin Artaud – eine Nacherzählung des Originals von Antonin Artaud
  • Der Mönch und die Frauen (1972) Regisseur: Ado Kyrou, Drehbuch: Luis Buñuel & Jean-Claude Carrière – die erste Verfilmung des Romans
  • The Monk (1990) Regisseur: Francisco Lara Polop

Obwohl beide Verfilmungen andere Werke aufgreifen, behandeln sie die Geschichte unter einem neuen Gesichtspunkt, indem sie Türen erforschen, die frühere Versionen offen lassen, und nach dem cineastischen Vergnügen, diese Geschichten in audiovisuelle Erlebnisse zu verwandeln, streben. Regisseure können der Handlung immer eine persönliche Note verleihen, indem sie die Kernphilosophien neu beleuchten und an diese mit einer neuen Perspektive herangehen. Beide Filme sind jetzt als VoD im Walk This Way Katalog in der Premium-Filme Kollektion verfügbar.

Sonntag, 1. November 2015, von Cineuropa

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