Eine Silent Sonata auf die Kriegsführung: Alles ist Showbusiness

Ist es möglich, einen Film nicht über einen ganz bestimmten Krieg zu machen, sondern vielmehr dessen Wesen zu erfassen? Der slowenische Regisseur Janez Burger hat sich mit seinem allegorischen Film Silent Sonata genau das zum Ziel gesetzt. Der Film wird als Teil unserer Premium Films-Kollektion ab dem 30. September online verfügbar sein.

Der Film kommt ganz ohne Dialoge aus und zieht den Zuschauer stattdessen mit einer wunderschönen Landschaft und Begleitmusik (Vesna Award für den besten Ton und die beste Musik) zu den oft poetischen Szenen in seinen Bann.

Er beginnt damit, dass die Schausteller eines Zirkus vorgestellt werden, der jedoch erst später im Film erscheint. Diese farbenfrohen und romantischen Stillleben werden aber ganz abrupt vom Vorspann unterbrochen: Vor schwarzem Hintergrund sind verängstigtes, schnelles Atmen und Bombenexplosionen zu hören. Danach begutachtet ein Vater (Leon Lučev) bei helllichten Tag sein Haus, an dem die Spuren des Kriegs sichtbar sind: Einschusslöcher, bis er schließlich das findet, wonach er zu suchen schien: die Leiche seiner Frau. Und so wird eine Atmosphäre der Angst und des Leids erzeugt, für die keine Worte notwendig sind und es werden Erwartungen geschaffen, als eines Abends das Geräusch herannahender schwerer Fahrzeuge zu vernehmen ist. Anstatt einer Armee taucht jedoch ein Wanderzirkus am Horizont auf. In poetischen Bildern begleitet der Film die Familie und die Schausteller des Circus Fantasticus dabei, wie sie eine Beziehung entwickeln.

Das der Regisseurs die Kriegsführung und den Zirkus beide als eine Form des Showbusiness betrachtet, wird insbesondere in einer der atemberaubendsten Szenen des Films deutlich: Ein Panzer nähert sich dem Haus und als der Vater seine Waffe zückt, bauen sich zwei der Schausteller, der Muskelmann (Viatcheslav Volkov) und der Feuerspucker (David Boelee), vor dem Panzer auf und führen Tricks wie Flick-Flacks und Feuerspucken vor. In einer anderen schwarzhumorigen Szene ist es eben derselbe Panzer, der Tricks aufführt: Er verschwindet komplett im Nebel, vollführt eine 360°-Drehung und wird dann jedoch von einem Kampfflugzeug abgeschossen.

Silent Sonata wird von dem Konzept angetrieben, in einem vom Krieg gezeichneten Umfeld zu leben: „Die Gestalt des Kriegs verändert sich, dies bedeutet aber nicht, dass er kein Bestandteil der menschlichen Natur ist, und als solcher Teil des Umfelds in dem wir leben“, erklärt Burger. „Silent Sonata widmet sich der Frage, wie das Überleben in einem solchen Umfeld möglich ist.“ Für die Kriegsführung als Thematik war es ausschlaggebend, den gesamten Spielfilm ohne Dialoge zu konzipieren, da laut dem Regisseur „Worte in Kriegen Lügen sind und ich sie deswegen nicht brauche.“ Silent Sonata fehlt es an nichts – nicht einmal an Worten.

In seiner Allegorie auf die Kriegsführung beschließt Burger, nicht alles schwarz zu malen, (die Show des Circus Fantasticus steht ganz im Gegensatz dazu) und er endet seinen Film mit einer außergewöhnlichen Aufnahme von oben, in der sich der Circus Fantasticus aufmacht, seine Reise fortzusetzen...eine Reise, die ihn hoffentlich an einen friedlicheren Ort bringt.

Silent Sonata war der slowenische Beitrag für den besten fremdsprachigen Film bei den Academy Awards 2012 und war 2011 für den Europäischen Filmpreis nominiert. Jetzt steht er auf Walk This Way in Dänemark, Norwegen, Frankreich und der Tschechischen Republik zur Verfügung. 

Montag, 5. Oktober 2015, von Cineuropa

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