Walk this Way : dieselben Regisseure, aber neue Filme

Die Regisseure der 34 Filme des Projekts Walk This Way kennen keinen Feierabend. Viele von ihnen haben bereits neue Spielfilme gedreht: vom Sozialdrama zur regressiven Komödie, es ist etwas für jeden Geschmack dabei. Kleiner Überblick: 

Michel Gondry: Microbe et Gasoil

Nach dem animierten Dokumentarfilm Is the man who is tall happy? An animated conversation with Noam Chomsky, der seit dem 1. Juni als VOD verfügbar ist, erobert der berühmte französische Filmemacher Michel Gondry die Kinos jetzt mit einem neuen, ganz persönlichen Spielfilm. Die Rede ist von seiner neuen Komödie über zwei Teenager, die ein verrücktes Projekt verwirklichen wollen: aus einem Rasenmäher und einigen Brettern ein Auto bauen und damit durch Frankreich fahren...
Microbe et Gasoil ist im Juli 2015 in die französischen Kinos gekommen. Seine eigenen Kindheitserinnerungen dienten dem exzentrischen Filmemacher als Inspiration für diese gefühlvolle und berührende Komödie über die Freundschaft und die Jugend. „Wir waren eine Hippie-Familie aus Versailles, das Gegenteil von einer bürgerlichen Familie, sehr verhätschelt von unseren Eltern und ich war immer mit den Sozialfällen der Schule befreundet. Ich habe begonnen Erinnerungen zu sammeln und heraus kam diese Geschichte der Freundschaft“, erzählt Gondry. „Ich wollte etwas schaffen, das voll und ganz von mir kommt. Einen Film mit einer linearen Erzählstruktur, in dem die Figuren im Mittelpunkt stehen, und ich wollte ihn in einer ganz einfachen Art und Weise filmen.“

Jérôme Enrico: Cerise 

Seine Komödie Paulette (seit dem 1. September als VOD verfügbar), in der sich eine Rentnerin als Drogendealerin versucht, wurde mit dem Bernhard-Wicki-Preis ausgezeichnet und war ein wahrer Kassenschlager. Cerise ist der neue Film des französischen Regisseurs Jérôme Enrico und wieder eine Komödie mit einer Frau als Hauptperson. Aber dieses Mal dreht sich sein Film um ein junges Mädchen (gespielt von Isabelle Adjanis Tochter Zoé Adjani-Vallat), das von seiner Mutter in die Ukraine geschickt wird –zu ihrem Vater, den sie nicht kennt.
„Der Film inspiriert sich an meiner Schwiegertochter Irina, sie hat uns auf diese Idee gebracht. Sie ist eine Art Fasion Victim, die ganz plötzlich ein Jahr zu ihrem Vater in die Ukraine gezogen ist. Das war der Ausgangspunkt für den Film“, erzählt Enrico. „Es ist ein klein wenig der Bildungsroman einer Jugendlichen in ihrer Glitzerwelt, mit ihren Scheinträumen, […] die nach und nach reift und am Kontakt mit einer anderen Gesellschaft wächst.“ Diese wahre Komödie über die Jugend ist im April 2015 in die französischen Kinos gekommen.

Anthony Marciano: Robin des bois, la véritable histoire 

Anthony Marciano und der Schauspieler und Komiker Max Boublil haben gemeinsam das Drehbuch für Grosse Jungs (seit dem 1. September als VOD verfügbar) geschrieben, eine generationsübergreifende Komödie, die 2013 in die Kinos gekommen ist und in Frankreich über eine Million Besucher in die Kinos gelockt hat.
Zwei Jahre später bringt der Regisseur seinen neuen Spielfilm in die Kinos: Robin des bois, la véritable histoire. In dieser Neuinterpretation ist Robin Hood (gespielt von Boublil) ein gemeiner Typ, der mit seinem Kamerad Tuck nur Arme, Frauen oder alte Menschen bestiehlt. Robin Hood ist hier kein Held und Vorbild mehr. Marcianos Idee war es „ausgehend von Robin Hood, der eigentlich ein tapferer, guter, edelmütiger Mensch ist, der sein Leben riskiert, um den Armen zu essen zu geben, die Figur eines Kleinkriminellen zu machen“. Der Film ist im April 2015 in den französischen Kinos angelaufen.

 Pierre Jolivet: Jamais de la vie

Der Thriller Armed Hands (2012) ist Pierre Jolivets 14. Spielfilm und war ein wahrer Publikumserfolg.
Drei Jahre später bringt der französische Regisseur den Spielfilm Jamais de la vie in die Kinos, der eine Mischung aus Thriller und Sozialfilm ist und von der Arbeitsmarktkrise handelt. Er erzählt die Geschichte von Franck (Olivier Gourmet), ein ehemaliger Facharbeiter und Gewerkschaftsdelegierter, der Wächter in einem Einkaufszentrum geworden ist, nachdem er seine Arbeit verloren hat. Laut dem Regisseur ist Jamais de la vie ein dunkler Film, der ganz „unserer sehr harten Zeit“ entspricht. Pierre Jolivet, der sich dem Sozialfilm verschrieben hat, hat sich ein weiteres Mal dafür entschieden, die Krise in Form eines Thrillers zu behandeln. „Der Krimi ist die beste Art, um über ein ernstes Thema zu sprechen und die Zuschauer gleichzeitig zu unterhalten.“

Johanna Vuoksenmaa: Adult camp

Nachdem sie in 21 ways to ruin a marriage– mit über 400 000 Kinobesuchern der erfolgreichste finnische Film 2013 und ab dem 23. November als VOD verfügbar – zerbrochene Ehen behandelt hat, hat Johanna Vuoksenmaa jetzt eine Komödie über die Selbstverwirklichung gedreht: Adult Camp ist im Jänner 2015 in den finnischen Kinos angelaufen.
Die Regisseurin hat das Drehbuch für Adult Camp selbst geschrieben. Es erzählt die Geschichte einer Gruppe von Männern und Frauen, die ihre Sommerferien in einem Camp für Erwachsene auf dem Archipel vor Turku verbringen. Sie alle streben nach Selbstverwirklichung und werden von dieser Erfahrung verändert zurückkommen.

Ferenc Török: No Man's Island

2012 hat der ungarische Filmemacher Ferenc Török seinen vierten Spielfilm geschrieben und gedreht: Isztambul. Er handelt von einer Mutter, deren Leben nach der Trennung von ihrem Ehemann in Scherben liegt, und deshalb beschließt ihrem Alltag zu entfliehen. Der Film ist seit dem 15. Juli als VOD vefügbar.
2014 kommt der Regisseur mit No Man's Island zurück, der seine Premiere bei der 42. Ungarischen Filmwoche hatte. Der Film erzählt die Missgeschicke dreier junger Menschen auf der Suche nach Glück: eine Taxichauffeurin, die gespart hat, um ein Haus auf einer pazifischen Insel zu kaufen, ein talentierter Basketballspieler ohne Selbstvertrauen und eine Ehefrau auf der Flucht.

Janez Burger: Avtošola

Silent Sonata (ab dem 30. September als VOD verfügbar), der dritte Spielfilm des slowenischen Regisseurs Janez Burger, war 2012 für Slowenien im Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Silent Sonata ist ein allegorischer Film, der in einem nicht identifizierten, vom Krieg verwüsteten Land spielt. Der Film kommt ohne Dialoge aus und überzeugt vor allem durch seine beeindruckenden Bilder und eine hohe technische Perfektion.
Avtošola ist Janez Burgers neuer Film. Er handelt von Robert, ein skrupelloser Investor, der versucht ein Gelände zu erwerben, um darauf ein Einkaufszentrum zu bauen. Zwei Dinge stehen ihm dabei im Weg: die Fahrschule, die das Gelände besitzt, und seine eigene Tochter, die Fahrstunden in ebendieser Fahrschule nehmen will. Avtošola ist im Februar 2015 in die slowenischen Kinos gekommen.

Magnus Gertten: Every face has a name

Für seinen Dokumentarfilm Harbour of Hope hat sich Magnus Gertten mit einem eher unbekannten Ereignis auseinandergesetzt: Im Frühling 1945 sind 30 000 Überlebende aus Konzentrationslagern im kleinen, friedlichen Hafen von Malmö in Schweden angekommen. Um dieses historische Ereignis in seinem Film darzustellen, hat der schwedische Regisseur mit zahlreichen Filmen und Archivbildern sowie mit Erzählungen von drei Überlebenden gearbeitet.
Im Februar 2015 ist die Fortsetzung dieses Dokumentarfilms in die schwedischen Kinos gekommen. In Every face has a name erzählen Überlebende des zweiten Weltkriegs ihre Geschichte mithilfe von Archivbildern eines Filmes, der im April 1945 bei ihrer Ankunft in Schweden gedreht wurde. „Dieser Film hat ganz klar eine humanistische Mission. Die Menschen auf den Archivbildern sind nicht einfach anonyme Opfer. Sie sind echte Menschen, die wie wir einen Namen haben. Mein Film gibt den zahlreichen Überlebenden, die am 28. April 1945 in Malmö angekommen sind, ihren Namen wieder“, erklärt Gertten.

Montag, 26. Oktober 2015, von Cineuropa

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