Große Geister denken gleich Vol 3 - Zwei weitere Verfilmungen, die aus den Geschichten "ihre eigene"

“Verfilmungen begeistern mich. In das Werk eines anderen einzutauchen, gibt mir Energie, weil ich die Welt des Autors verteidigen will.” – Nicolas Barys The Scapegoat

Mit seiner Verfilmung The Scapegoat (2013) tritt Nicolas Bary ein großes Erbe an. Sie basiert auf der beliebten Bücherreihe über die Malaussène-Familie des französischen Autors Daniel Pennac, die insgesamt aus sechs Romanen besteht. The Scapegoat basiert auf Au Bonheur des Ogres (1985), dem ersten Roman der Saga, ein Kriminalroman, der alleine in Frankreich mehr als 1,5 Millionen Mal verkauft wurde. Die Bücherreihe dreht sich um Benjamin Malaussène und seine Geschwister, wobei er der Älteste von ihnen ist. Malaussène ist ein „professioneller Sündenbock“, der in einem Kaufhaus arbeitet und dort für die Kundenbeschwerden zuständig ist.
The Scapegoat ist Barys zweite Verfilmung nach Les enfants de Timpelbach (2008). Dieser Film basiert auf dem ersten Kinderbuch des deutsch-französischen Autors Henry Winterfeld, das dieser 1937 geschrieben und unter dem deutschen Originalnamen Timpetill – Die Stadt ohne Eltern veröffentlicht hat. Der Regisseur erklärt seine Begeisterung für Verfilmungen folgendermaßen: „Verfilmungen begeistern mich. In das Werk eines anderen einzutauchen, gibt mir Energie, weil ich die Welt des Autors verteidigen will.”
Was The Scapegoat betrifft, so hat der erst 25-jährige Bary Pennac vor einem Theater angesprochen und ihm seinen großen Wunsch offenbart, den Roman für das Kino verfilmen zu wollen. „Es ist eine zeitgenössische, lebendige, reichhaltige Welt, mit einem verrückten, barocken und dynamischen Paris. Ich konnte mich voll und ganz mit diesem Märchen identifizieren, das zugleich spielerisch und mitreißend ist.“
Der Autor von The Scapegoat war überzeugt, dass es unmöglich sei, sein Werk zu verfilmen: “Ich hätte nie gedacht, dass es möglich ist, die Malaussène-Saga zu verfilmen. Außerdem war ich von der Idee im Allgemeinen nicht gerade begeistert“, erzählt Pennac. Aber als er Nicolas Bary kennenlernte, änderte er seine Meinung: „Bilder sind Nicolas Barys natürliches Ausdrucksmedium. […] Und so wurde mein Malaussène zu seinem und sein Malaussène überzeugt mich voll und ganz.“
Raphaël Personnaz ist in der Rolle des Benjamin Malaussène an der Seite von zahlreichen anderen berühmten Schauspielern zu sehen. So etwa die Oscar-nomminierte Bérénice Bejo, die für ihre Rolle in The Artist den César für die beste Hauptdarstellerin gewonnen hat, und der Schauspieler und Regisseur Emir Kusturica (Regisseur von Arizona Dream, 1992). The Scapegoat ist als Teil der Kollektion Französische Komödien seit dem 1. September verfügbar.

“Ich habe mich sofort in der Welt dieses Comics wiedergefunden. Sogar so sehr, dass ich das Gefühl hatte, dass der Comic meiner Feder entstammen könnte.“ – Carine Tardieus The Dandelions

Für die Verfilmung von The Dandelions, die auf dem französischen Roman Du vent dans mes mollets (2009) basiert – der seinerseits die 2010 erschienene Adaptation eines Comicbuchs der Graphikerin Mam'zelle Rouge ist – fanden sich zwei große Geister, die sehr ähnlich denken: die Autorin und Co-Drehbuchautorin Raphaële Moussafir und die Regisseurin und Drehbuchautorin Carine Tardieu. Die zwei haben sich auf einer Buchmesse kennengelernt: “Ich habe ihr [Raphaële Moussafir] gesagt, wie sehr mir Du vent dans mes mollets gefallen hat. Darauf hat sie geantwortet: „Ah, du bist also Carine Tardieu? Ich habe einige Produzenten getroffen, die meinen Roman verfilmen wollen und deinen Namen erwähnt haben“, schildert Tardieu ihr erstes Treffen.
Und so begannen Tardieu und Moussafir gemeinsam an der Verfilmung der Geschichte der 9-jährigen Rachel (Juliette Gombert) zu arbeiten. Diese wächst mit einer Mutter (Agnès Jaoui) auf, die sie mit Liebe nur so überschüttet, einem zynischen Vater (Denis Podalydès) und einer gebrechlichen Großmutter (Judith Magre). Ihr Leben kostet sie nicht etwa bei ihrer Psychiaterin – gespielt von Isabella Rossellini –so richtig aus, sondern erst als ein neues Mädchen namens Valérie (Anne Lemarchand) in ihr Leben tritt.
Unter all den Verfilmungen unserer Walk This Way –Trilogie, ist die Beziehung von Tardieu und Moussafir zweifelsohne eine der engsten zwischen ursprünglichem Schöpfer der Geschichte und Regisseur während des Prozesses der Verfilmung. Und diese enge Zusammenarbeit zeigt die größten Schwierigkeiten auf, die beim Verfilmen des Werkes eines anderen auftreten: das Werk zu seinem eigenen zu machen. Tardieu sagt Folgendes darüber: „Es ist ihre [Raphaële Moussafir] Geschichte, eine Geschichte, die sie schon seit Jahren mit sich trägt. Ich konnte ihr nicht einfach die Tür vor der Nase zuschlagen, nachdem ich das Drehbuch fertig hatte.“ Aber das beide andauernd am Set waren, warf sie schließlich beide aus der Bahn. Deshalb hat die Autorin großzügig eingewilligt, zu Beginn der Dreharbeiten nicht zu oft zu erscheinen, bis ich mir die Geschichte ganz einverleiben und einen Film daraus machen konnte. Und so wurde das, was sie beim ersten Lesen des Comicbuchs verspürte, Wirklichkeit: „Ich habe mich sofort in der Welt dieses Comics wiedergefunden. Sogar so sehr, dass ich das Gefühl hatte, dass der Comic meiner Feder entstammen könnte.“
Die beiden Verfilmungen sind ein würdiges Ende für unsere Trilogie über Regisseure, die aus einer Geschichte mithilfe einer audiovisuellen Sprache ihre eigene machen. Ihre Filme sind eine persönliche Vision, eine Vision, die aber trotz allem auch mit jener des ursprünglichen Schöpfers im Einklang steht.
The Dandelions ist seit dem 1. September als VOD in unserer Kollektion Französische Komödien verfügbar. Diese enthält noch zahlreiche andere Komödien, die nur darauf warten, hier von Ihnen entdeckt zu werden.

Montag, 9. November 2015, von Cineuropa

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