Papusza – Die Poetin der Roma , Mutter aller verfemter Dichter

Ab der ersten atemberaubenden Aufnahme von Papusza – Die Poetin der Roma– eine Totale eines Zigeunerlagers aus dem Jahr 1910 – besticht der Film durch eine vom Schwarz-Weiß-Kino selten erreichte Ästhetik (man denke dabei an Ida von Pawel Pawlikowski oder an Das Turiner Pferd von Béla Tarr). Die malerischen Aufnahmen des neusten Films des polnischen Ehepaars Joanna und Krzysztof Krauze – letzterer ist 2014 verstorben – stellen eine Art Verbindung zum Film Mein Nikifor dar. Für diese Geschichte über einen zu Unrecht vergessenen Maler wurden die Regisseure 2005 am Internationalen Filmfestival Karlovy Vary mit dem Hauptpreis – der Kristallkugel – ausgezeichnet.

Papusza – Die Poetin der Roma, der ab dem 2. Mai als VOD in der Kollektion Dokumentarfilme aus aller Welt verfügbar sein wird, erzählt die Geschichte von Bronislawa Wajs (aka Papusza), der ersten Roma-Dichterin, die berühmt wurde, nachdem ihre Werke in Polen veröffentlicht wurden. Da sie von ihrer eigenen Gemeinschaft, die ihr vorwarf die Geheimnisse des Zigeunervolkes verraten zu haben, geächtet wurde, lebte Papusza in großer Armut und Selbstlosigkeit – bis zu ihrem Tod von Schuldgefühlen geplagt.

Der Film wurde in der Roma-Sprache Romani gedreht und springt in der Zeit hin und her, wobei immer wieder das Jahr 1949 gezeigt wird, in dem Papusza (Jowita Budnik) den „Gadscho“ (Nichtroma) und Schriftsteller Jerzy Ficowski (Antoni Pawlicki) kennenlernt, der in der Zigeunergemeinschaft aufgenommen wird. Er ermutigt Papusza ihre Gedichte aufzuschreiben und beschließt, diese später zu veröffentlichen. Durch sie wird die gesamte Zigeunertradition in Werken überliefert, die auch das Leben derjenigen darstellen, die sich selbst nie als Poetin betrachtet hat, sondern als eine verfemte Zigeunerin, deren großer Fehler es war, das Lesen gelernt zu haben.

Über das tragische Leben dieses Kindes, das an seinen Musikeronkel verkauft und mit ihm zwangsverheiratet wurde, und das dem Schicksal, das Hitler den Zigeunern zugedacht hatte, entging, werden so die prägendsten Momente der Geschichte dieses Wandervolks erzählt, wie etwa als die polnische Regierung es dazu zwang, ihre Wagen aufzugeben, um in Häusern sesshaft zu werden. „Solange es Räder gibt wird das Zigeunervolk reisen“, versichert der gefallene Patriarch, der diese Sentenz mit seiner Frau teilt. Ein würdevolles Leben ist ihm nicht vergönnt, aber die Geschichte zeigt, dass er Recht hatte; nicht ohne aber die arme Papusza um den Verstand zu bringen, die dem Wahnsinn verfiel und bis zu ihrem Tod 1987 ein einsames Dasein fristete.

Mehr über Papusza – Die Poetin der Roma, der am Internationalen Filmvestival Karlovy Vary 2013 mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden ist:

Samstag, 30. April 2016, von Cineuropa

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