Über Gewalt: ein beispielloser Blick auf die Entkolonialisierung Afrikas

Über Gewalt ist ein 2014 erschienener Dokumentarfilm, den der schwedische Regisseur Göran Ollson geschrieben und gedreht hat. Er hat dafür Bildmaterial aus den Archiven des schwedischen Staatsfernsehens ausgegraben und daraus eine Collage aus Aufnahmen, Bildern und Interviews über die Geschichte des afrikanischen Volks und seinem Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit geschaffen.

Entdecken Sie Über Gewalt, der bei der Berlinale, beim Oslo Films From the South Festival und beim Göteborg International Film Festival ausgezeichnet und beim renommierten Sundance Film Festival nominiert war, ab dem 2. Mai als VOD über die Kollektion Dokumentarfilme aus aller Welt.

Während des Kalten Krieges fühlten sich radikale schwedische Filmemacher von den anti-imperialistischen und sozialistischen Kämpfen betroffen, die überall auf der Welt und insbesondere in Afrika ausbrechen konnten. Gute hundert Stunden Archivaufnahmen hat der Regisseur zusammengeschnitten und montiert. Das Ergebnis: ein beispielloser Einblick in die Aufstände, die zur Entkolonialisierung Afrikas führen sollten.

Erst wann man in diese eindrucksvollen Bilder eintaucht, versteht man die Gewalt, die untrennbar mit der kolonialen Eroberung verbunden war. Denn diese institutionalisierte und entmenschlichende Gewalt führte zwangsläufig zu einer genauso gewaltsamen Antwort, die aus Verzweiflung erfolgte und das Zeitalter der Entkolonialisierung prägte.

Die raren Aufnahmen aus dieser Zeit zeigen Guerillakämpfer in Mozambique, die Front in den Unabhängigkeitskriegen in Tansania und Angola oder Gespräche mit Kolonisten in Rhodesien (die heute Republik Simbabwe). Sie stellen die Selbstgefälligkeit des Kolonisten, der sich auf dem Golfplatz oder am Swimmingpool auslässt, der Realität der afrikanischen Bevölkerung, die seiner Macht unterworfen ist, gegenüber.

Jedes der Kapitel (die als „neun Szenen der anti-imperialistischen Selbstverteidigung“ präsentiert werden) gibt eine Facette des kolonialen Horrors wieder, ihr Zusammenspiel vermittelt jedoch den erschreckenden Eindruck, dass eine wahre Kartografie der Gewalt in Afrika gezeigt wird.

Die Bilder wurden mit der Stimme der Musikerin Lauryn Hill unterlegt, was es dem Zuschauer erleichtert, sie in einen Kontext zu setzen. Das ehemalige Mitglied der Fugees hat auch schon am letzten Film des Regisseurs, The Black Power Mixtape, als Kommentatorin an der Seite anderer Größen der afroamerikanischen Kultur mitgewirkt. 

Concerning Violence basiert auf Frantz Fanons „Die Verdammten dieser Erde“. Der von den französischen Antillen stammende Schriftsteller und Pionier der afrokaribischen Literatur analysiert in seinem 1961 veröffentlichten Buch mit sorgfältiger Akribie die Gewalt, die mit der Entkolonialisierung Afrikas einherging, und ihre Folgen. „Die Verdammten dieser Erde“, zu dem Jean-Paul Sartre ein Vorwort schrieb, beeinflusste Generationen von afrikanischen Schriftstellern.

Dieser bemerkenswerte Dokumentarfilm verbindet die machtvollen Worte Frantz Fanons mit starken Bildern aus der jüngsten Vergangenheit. So knüpft der Film seltsamerweise die Vergangenheit an die Gegenwart. Denn nur Gewalt führt zu Gewalt.

Samstag, 30. April 2016, von Cineuropa

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