Acht Filme, die einen Blick auf das älteste Gewerbe der Welt werfen

Einkommensgefälle, Armut, Hoffnung auf ein besseres Leben, Chancenlosigkeit oder ganz einfach sexuelle Neugier – Walk This Way präsentiert Ihnen einige europäische Filme, die der Frage auf den Grund gehen, warum sich Menschen für das älteste Gewerbe der Welt entscheiden.

Much Loved von Nabil Ayouch (Marokko, Frankreich) – 2015

Nabil Ayouchs Much Loved ist ein kontroverser marokkanischer Film über vier Frauen, die sich ihren Unterhalt als Prostituierte verdienen. Der Filmemacher zeigt, wie der männliche Blick Frauen zu Lustobjekten herabwürdigen kann, und wie Frauen sich in der von Heuchelei und Demütigung geprägten Gesellschaft Marokkos, die sie ausnutzt und gleichzeitig verurteilt, durchschlagen. Der Spielfilm hatte Auswirkungen auf das wirkliche Leben der Darstellerinnen: Schauspielerin Loubna Abidar (2015 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für den Award Queer Palm nominiert) war aufgrund der heftigen Reaktionen auf den Film gezwungen, nach Frankreich zu fliehen. Much Lovedist ab dem 16. Mai als VOD in der Walk This Way Premium-Filme Kollektion verfügbar.

Glück von Doris Dörrie (Deutschland) – 2012

Glückbasiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Ferdinand von Schirarch und erzählt die fesselnde Liebesgeschichte zwischen Irina (Alba Rohrwacher) und Kalle. Die beiden lernen sich in Berlin kennen, die Stadt, in die Irina aus ihrer vom Bürgerkrieg gebeutelten Heimat geflüchtet ist, nachdem ihre Angehörigen getötet wurden und sie vergewaltigt. In Berlin arbeitet Irina illegal als Prostituierte, wo ihre Suche nach dem Glück fortwährend herausgefordert wird. Glück ist ab dem 27. Juni als VOD in der Kollektion Unerwartete Liebesgeschichten verfügbar.

Haus der Sünde von Bertrand Bonello (Frankreich) – 2011

Haus der Sünde ist ein Drama unter der Regie Bertrand Bonellos (bekannt für seine Filmbiografie Saint Laurent), das 2011 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspielen von Cannes lief. Der Film spielt im frühen 20. Jahrhundert und zeigt ein luxuriöses Pariser Bordell, in dem Madame, die Betreiberin des Bordells, die Frauen wie ihr Eigentum behandelt und die Einnahmen mit vollen Händen ausgibt, weswegen das Freudenhaus bald hoch verschuldet ist. Doch trotz all der Probleme (Schwangerschaft, Abhängigkeit, körperliche Misshandlungen), mit denen die Frauen konfrontiert sind, verbindet sie eine Freundschaft und Zuneigung. Denn sie teilen dasselbe Schicksal.

PARADIES: Liebe von Ulrich Seidl (Deutschland, Frankreich, Österreich) – 2012

PARADIES: Liebe (Teil der Paradies-Trilogie neben PARADIES: Glaube und PARADIES: Hoffnung) handelt von der männlichen Prostitution und den sogenannten „Sugarmamas“, europäische Frauen auf der Suche nach jungen afrikanischen Beach Boys, die sexuelle Dienste anbieten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Durch die Augen von Teresa, eine 50-jährige Österreicherin, die getrieben von der Sehnsucht nach Glück und Liebe nach Kenia reist, tauchen die Zuschauer in die erschreckende Wirklichkeit der globalen Ungleichheit ein.

A Man’s Job von Aleksi Salmenperä (Finnland) – 2007

Auch A Man’s Job beleuchtet das selten behandelte Thema der männlichen Prostitution und ihre Ursachen. Der Film erzählt die Geschichte des verzweifelten Juhas, der nach nur zwei Stunden Arbeit gleich viel verdient, wie in zwei Tagen in seinem alten Job. Der Vater von drei kleinen Kindern beginnt, seinen Körper zu verkaufen, um für den Lebensunterhalt seiner Familie zu sorgen. Ein Film über die männliche Rolle in der Gesellschaft und die familiäre Verantwortung, der auf internationalen Festivals mehrfach nominiert war und mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

The Immigrant von James Gray (USA, Frankreich) – 2013

The Immigrant spielt im Jahr 1921 und erzählt die Geschichte von Ewa Cybulski (Marion Cotillard) und ihrer Schwester Magda, die von Polen nach New York reisen, wo sie sich ein besseres Leben erhoffen. Als ein Arzt entdeckt, dass Magda krank ist, werden die zwei Frauen getrennt und Ewa bleibt alleine zurück. Ihr Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als sie zur Prostitution gezwungen und der amerikanische Traum zu einem Kampf ums Überleben wird. Der Film lief im Wettbewerb um die Goldene Palme von Cannes 2013.

The Chosen Ones von David Pablos (Frankreich, Mexiko) – 2015

The Chosen Ones, der bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2015 im Wettbewerb Un Certain Regard lief, erzählt nicht nur die Geschichte einer 14-Jährigen, die in die Prostitution gezwungen wird, sondern auch die Geschichte eines Jungen, der von seinem Vater herausgeputzt wird, damit sich junge Mädchen in ihn verlieben – ein Trick, mit dem er die Mädchen in die Prostitution zwingt. Der Junge wird in eine Welt hineingezogen, aus der es äußerst schwierig ist wieder herauszukommen.

Callgirl von Damjan Kozole (Slowenien) – 2009

Callgirl ist ein modernes Märchen über die Prostitution, das zeigt, warum sich Menschen in unserer heutigen Gesellschaft dafür entscheiden. Der Film folgt Alexandra (Nina Ivanisin), die aus einer Kleinstadt kommt und in Ljubljana Englisch studiert. Sie ist ehrgeizig und hat große Pläne für ihre Zukunft. Doch sie hat ein gut gehütetes Geheimnis: Sie prostituiert sich, um ihr Studium zu finanzieren. Nina Ivanisin wurde mit dem Preis für die beste Darstellerin beim Les Arcs European Film Festival 2009 ausgezeichnet.

Samstag, 14. Mai 2016, von Cineuropa

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