Interview: Ferzan Ozpetek, Regisseur von Bitte Anschnallen

Eine verbotene und aufreibende Liebe. Die Jahre vergehen, die Krankheit manifestiert sich und langsam gerät das Gleichgewicht ins Wanken … In Bitte Anschnallen, Ferzan Ozpeteks zehnter Spielfilm, zeigt der Regisseur den Weg zur physischen und psychischen Genesung und greift dabei wieder seine Lieblingsthemen auf: die Liebe, die Freundschaft und die Art und Weise, mit der Menschen auf unerwartete Ereignisse reagieren. Der Film ist Teil der Kollektion Unerwartete Liebesgeschichten und ist ab dem 27. Juni als Video on Demand verfügbar.

Interview: 

Warum haben Sie Ihren Film Bitte Anschnallen genannt?
Ferzan Ozpetek: Der Titel bezieht sich auf die Tatsache, dass wir alle im Laufe unseres Lebens früher oder später Turbulenzen durchleben ­­– genau wie im Flugzeug. Es gibt Momente, die uns erschüttern und durchrütteln, und in denen wir uns anschnallen müssen. Im Film erzähle ich die Geschichte eines Paares (Elena, gespielt von Kasia Smutniak, und Antonio, gespielt von Francesco Arca, Anm. d. Red.), das im Laufe der dreizehn Jahre seines Zusammenlebens verschiedenste Herausforderungen bewältigen muss. Der Film handelt jedoch vor allem von der Zeit, die vergeht, von der Freundschaft und der Krankheit und das in Form einer großen Liebesgeschichte. Jetzt, mit meinen 55 Jahren, weiß ich, dass das, was bleibt, wenn die Zeit vergeht, die Liebe, die Freundschaft und die Solidarität zwischen den Menschen sind.

Was hat Sie zu diesem Film inspiriert?
Ein befreundetes Paar. Eines Abends, vor sechs Jahren habe ich ein Abendessen für eine Freundin organisiert, deren Krankheit sie äußerlich stark verändert hat, und ich habe ihre eine – zweifelsohne ziemlich taktlose – Frage gestellt. Ich habe gefragt, ob ihr Ehemann und sie noch miteinander schliefen und sie hat mir darauf geantwortet, dass sie nicht nur miteinander schliefen, sondern ihr Ehemann sie auch noch immer begehre. „Männer turnt nur Weniges ab“, sagte sie. Das hat mich zum Lachen gebracht, mich gleichzeitig aber auch gerührt, denn ich habe die Liebe zwischen ihnen gespürt, der die Schwierigkeiten und Veränderungen, die im Laufe der Jahre auftraten, nichts anhaben konnten.

Der Film erspart dem Zuschauer nichts. Schonungslos wird die Krankheit in all ihren Facetten gezeigt: Chemotherapie, Haarausfall, Liebesakt im Krankenhaus ...
Über Krankheit zu sprechen macht uns immer Angst. Heutzutage gehen die Leute ins Kino, um zu Lachen. In diesem Film aber wird genauso viel geweint wie gelacht, er ist sehr emotionsgeladen. Auf den ersten Blick scheint er eine heitere Geschichte zu erzählen und dann, dreizehn Jahre später, nimmt er eine neue Wendung. Alle Charaktere durchlaufen große Veränderungen und all das, dessen sie sich gewiss sind, wird in Frage gestellt. Was die Sexszene im Krankenhaus betrifft, so haben uns die Berater, die das Drehbuch gelesen haben, bestätigt, dass es tatsächlich genauso abläuft: In 90 % der Fälle lassen die Krankenschwestern die Paare für eine Weile alleine, damit sie miteinander schlafen können oder es zumindest versuchen. Es ist nicht schwierig, in schmerzhaften Zeiten auch Gelegenheiten zum Lachen zu finden. Meine Freundin hat mir erzählt, dass sie sogar beim Reisen nur an eine einzige Sache denken konnte: ihre Perücke. So kam uns die Idee zur exzentrischen Figur der Friseurin, die von Luisa Ranieri gespielt wird.

Mehr über Bitte Anschnallen:

Samstag, 25. Juni 2016, von Cineuropa

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