Vier autobiografische Filme aus Frankreich

Die eigene Lebensgeschichte niederzuschreiben ist eine große Herausforderung; noch schwieriger wird es, wenn die Erinnerungen verfilmt werden sollen. Französische Filmemacher scheinen diese Kunst zu beherrschen. Walk This Way bietet eine erlesene Auswahl von vier französischsprachigen autobiografischen Filmen, die sehr unterschiedlich ausgestaltet sind: Fiktion, Dokumentation und Animation.

Maman und Ich von Guillaume Gallienne (Frankreich, Belgien, 2013, Fiktion)

Ab 11. Juli in der Premium-Filme-Kollektion als VoD verfügbar

Dieser Film – geprägt von einem einzigartigen Erzählstil und der hervorragenden Darbietung von Guillaume Gallienne, der sich selbst und seine Mutter spielt – ist ein sehr persönliches autobiografisches Werk. Über die sexuelle Entwicklung hinaus erzählt der Film auf unglaublich komische und herzergreifende Weise die Geschichte eines Mannes, der bei der Suche nach seiner Identität jenseits des Bildes, das seine Mutter von ihm hat, eine Reihe von schmerzvollen Erfahrungen macht. Der Film eröffnete die Quinzaine des réalisateurs von Cannes 2013, zu der sowohl Kritiker als auch die Öffentlichkeit zugelassen waren. Er erhielt 5 Césars (französischer Filmpreis), darunter Bester Film, Bestes Erstlingswerk, Bestes adaptiertes Drehbuch und Bester Schauspieler.

Das Leben gehört uns von Valérie Donzelli (Frankreich, 2011, Fiktion)

Valérie Donzelli führte bei Das Leben gehört uns Regie und schrieb gemeinsam mit Jérémie Elkaïm, mit dem sie für den Film auch vor der Kamera stand, das Drehbuch. Es handelt sich um einen unerschrockenen und äußerst persönlichen Film, der das Leben eines jungen Paares beschreibt, das den Kampf gegen den fast unheilbaren Gehirntumor seines Sohnes aufnimmt. Ein berührendes Werk, das von den Kritikern bei der Kritikerwoche von Cannes 2014 10 Auszeichnungen (Gijón Palm Springs, Paris Cinema, Étoiles d’Or, …) und 11 Nominierungen erhielt (Cannes, César, Gobes de Cristal, …). Ein Must-See, das dem Publikum Einblicke in die intimsten Erfahrungen der Autoren gewährt.

Die Strände von Agnès von Agnès Varda (Frankreich, 2008, Dokumentation)

Dieser Dokumentarfilm ist ein autobiografisches Essay von der bemerkenswerten Filmemacherin Agnès Varda zum Anlass ihres 80. Geburtstages. Vor der Kamera zeigt sie emotionale Eleganz und visuell exzentrische Rückblicke bei der Rückkehr zu Orten aus ihrer Vergangenheit. Der Film zeigt Fotos, Archivmaterial und Videos und obwohl Varda dem Publikum tiefe Einblicke in ihr Leben gewährt, werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Die Strände von Agnès wurde mehrfach ausgezeichnet und erhielt zahlreiche Nominierungen, z. B. der César für den Besten Dokumentarfilm, der amerikanische National Society of Film Critics Award und der Perseverance Award der Alliance of Women Film Journalists.

Approved for Adoption von Laurent Boileau und Jung (Frankreich, Belgien, Südkorea, Schweiz, 2012, Animation)

Approved for Adoption ist die Adaptation einer Comicbuch-Reihe von Jung, in der er sein Leben und seine Rückkehr nach Südkorea verarbeitet. In den 1960er Jahren wurden knapp 200.000 koreanische Kinder für Adoption ins Ausland empfohlen, da die meisten dieser Kinder vermutlich von Soldaten aus dem Westen und koreanischen Frauen gezeugt worden waren. Jung war eines dieser Kinder und wurde im Alter von fünf Jahren von einem belgischen Paar adoptiert. Couleur de peau: miel ist eine berührende Reise auf dem Weg zur Selbstfindung und erhielt zwei Auszeichnungen und eine Nominierung beim Festival d’Animation in Annecy, eine Ehrennennung beim Torino Film Festival und Nominierungen beim Magritte und beim Melbourne International Film Festival. Den Film sollten sich nicht nur Animationsbegeisterte, sondern alle Kinofans unbedingt ansehen. 

Donnerstag, 7. Juli 2016, von Cineuropa

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