Must-see: fünf uruguayische Pflichtfilme

Das Leben der Flüchtlinge am Strand beobachten, die Unterbrechung der täglichen Routine in einem kleinen Dorf durch die Ankunft des Papstes, eine epische Reise quer durchs Land zum Ozean – wir bieten spektakuläre Möglichkeiten, Uruguay zu entdecken. Unsere Auswahl von fünf wahrlich sehenswerten uruguayischen Filmen:

Señor Kaplan von Álvaro Brechner (2014 – Spanien, Uruguay, Deutschland)

Ab dem 5. September als Teil der Kollektion Französische Komödien als VoD verfügbar

Sehr treffend wird Serge Gainsbourgs „SS in Uruguay“ für die Geschichte von Jacob Kaplan beim Vor- und Nachspann des Filmes eingesetzt. Der Film handelt von einem einfachen Juden, der wegen des 2. Weltkriegs von Europa nach Uruguay geflohen war. Im Alter von 76 Jahren erfährt er von einem Deutschen, der auf einem nahegelegenen Strand umherstreift, und beschließt, sich die Sache genauer anzusehen. Mit seiner gelungenen Mischung von emotionaler Tiefe und schwarzem Humor ist der Film eine philosophische Komödie über das Altern. Álvaro Brechners vorheriger Film Bad Day to go Fishing wurde 2009 bei der Kritikerwoche in Cannes ausgewählt; Señor Kaplan wurde beim Festival Biarritz Amérique Latine und beim Monte Carlo Comedy Film Festival ausgewählt und erhielt von der Uruguayan Film Critics Association sieben Auszeichnungen.

Whisky von Juan Pablo Rebella und Pablo Stoll (2004 – Uruguay, Argentinien, Deutschland, Spanien)

Whisky ist ein herausragender uruguayischer Film, den man sich schon allein aufgrund der überzeugenden Darbietungen und der berührenden und sehr menschlichen Geschichte nicht entgehen lassen sollte. Er behandelt die komplexe Beziehung zwischen dem erfolgreichen und wohlhabenden Hernan und seinem Bruder Jacobo, der erst seinen Weg finden muss. Gespickt mit subtilen Gesten und metaphorischen Szenen schildert der Film das tägliche Abmühen der Menschen, um ihrem Leben Sinn zu geben. Der Film gewann 2014 den FIPRESCI Preis in der Reihe Un Certain Regard in Cannes sowie viele andere Auszeichnungen bei internationalen Filmfestivals wie Chicago, Thessaloniki, Havana und Tokyo.

Gigante von Adrián Biniez (2009 – Uruguay, Argentinien, Deutschland, Spanien, Niederlande)

Die Handlung von Gigante spielt in Uruguays Hauptstadt Montevideo und zeigt das monotone Leben von Jara, ein einsamer und ruhiger Mann in den Dreißigern. Seine Routine wird jedoch auf den Kopf gestellt, als er sich in Julia verliebt. Mit nur wenigen Dialogen erforscht Gigante die alles einnehmende Anziehung des Voyeurismus. Dabei stellt Jara keinerlei Bedrohung dar, sondern wirkt viel eher überfürsorglich und einsam. Unter anderem wurde der Film bei der Berlinale 2009 mit dem silbernen Bären ausgezeichnet und erhielt in San Sebastián den Horizons Award.

The Pope’s Toilet von César Charlone und Enrique Fernandez (2007 – Uruguay, Brasilien, Frankreich)

Der Regisseur dieses Films César Charlone wirkte auch bei City of God und Der ewige Gärtner als Director of Photography mit. In dem Film bereitet sich die uruguayische Stadt Melo an der Grenze zu Brasilien im Jahr 1988 auf die Ankunft von Papst Johannes Paul II. vor. Voller Enthusiasmus hoffen die Bewohner nicht nur auf den göttlichen Segen, sondern auch auf materielle Gaben. The Pope’s Toilet ist ein hervorragender Film; ein realistisches Porträt von Melo und seinen Einwohnern, das als Metapher für die alltäglichen Schwierigkeiten der Armen und deren Kampf ums Überleben verstanden werden kann. Der Film wurde 2007 in Cannes in der Reihe Un Certain Regard sowie bei den Filmfestspielen von San Sebastián und São Paulo ausgewählt.

Seawards Journey von Guillermo Casanova (2003 – Uruguay, Argentinien)

Seawards Journey folgt fünf Dorfbewohnern, die sich zum ersten Mal auf die Reise zum Ozean begeben. Dabei handelt es sich um einen Film über Träume und Freundschaft mit einfachen aber sensationellen Aufnahmen, die die Schönheit der uruguayischen Landschaft zeigen. Seawards Journey schafft es, dem Publikum die Wärme und Verletzlichkeit der Charaktere zu vermitteln, was ihn zu einem von Uruguays bedeutendsten Filmen macht. Der Film, der Uruguays Einreichung zu den 76. Oscars war, wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem von der Uruguayan Film Critics Association sowie bei den Filmfestivals in Mar de Plata und Huelva.

Freitag, 2. September 2016, von Cineuropa

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