Locker und leicht: Faulenzen auf höchster Stufe

Sébastien, 29, hat nur ein Ziel im Leben: nichts tun. Seine Couch ist seine Welt. Er würde eher über das Leben sinnieren als es zu leben. Aber heutzutage ist jemand, der nichts tut, ein Nichts. Deshalb muss er doch etwas tun... nur ein wenig. Porträt einer Generation, die das Erwachsenwerden immer weiter aufschiebt und von einem Studium, Praktikum oder Gelegenheitsjob zum nächsten übergeht. In Locker und leicht folgt Regisseur Benjamin GuedjSébastien und seinen beiden Mitbewohnern, die sich am liebsten die Zeit vertreiben, indem sie möglichst wenig tun. Das kommt zwar nicht so selten vor, wird aber auch nicht gern gesehen.

In der Tradition der Jugendkomödien der 90er Jahre von Cédric Klapisch, zum Beispiel Abschlussklasse: Wilde Jugend – 1975 oder L’auberge espagnole, aber auch von den amerikanischen Vorreitern (wir denken an Clerks – Die Ladenhüter von Kevin Smith oder Rumtreiber von Richard Linklater), präsentiert Locker und leicht geschickt den Gegensatz des jugendlichen Enthusiasmus zur gesellschaftlichen Forderung nach Arbeit, Ehrgeiz und Karriere. Der Ton ist frisch und sorglos, aber die Ungezwungenheit der Erzählung erlaubt, einige wesentliche Fragen der heutigen europäischen Gesellschaft ohne viel Aufhebens aufzuwerfen. So zum Beispiel die Fragen der Arbeitsteilung und des Lebens in einem Unternehmen.

Der auf dem Roman Libre, Seul et Assoupi von Romain Monnery basierendeFilm profitiert von einer besonders sorgfältig ausgewählten Besetzung, die sowohl auf der Bühne als auch in den Sketchen des TV-Senders Canal + und auch auf der großen Leinwand neue Saiten aufzieht und zu den aufstrebenden Talenten gehört: Baptiste Lecaplain, Charlotte Le Bon und Félix Moati. Die kanadische Schauspielerin macht nunmehr die ersten Schritte auf ihrer internationalen Laufbahn, vor kurzem war sie in Bastille Day von James Watkins zu sehen und bald steht sie in The Promise von Terry George neben Christian Bale vor der Kamera. Félix Moati, der 2013 für seine Rolle in Télé gaucho von Michel Leclerc mit dem César für bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet wurde, hat für seine Darbietung in Locker und leicht den Coup de cœur der Jury beim Internationalen Filmfestival der Komödie in l’Alpe d’Huez erhalten.

Eine besonders geniale Rolle hat auch Denis Podalydès (bekannt aus der Komödie Die Pusteblumen von Carine Tardieu, seit 2015 als VoD verfügbar) als Berater in der Arbeitsvermittlung, der sich dieser eher müßigen als faulen jungen Erwachsenen mit einer Portion Menschlichkeit annimmt und lernt, seine eigenen Marotten auszuleben.

Diese wahrhaftige Ode an die Faulenzerei kann neben 7 anderen Komödien ab dem 5. September als VoD auf dem Sofa genossen werden.

Locker und leicht Trailer:

Freitag, 2. September 2016, von Cineuropa

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