Näher am Mond: Rumänische Robin Hoods

Es passierte an einem Tag des Jahres 1959 in Bukarest: Vier Männer und eine Frau überfielen einen Panzerwagen der rumänischen Nationalbank und stahlen riesige Summen. Als sie gefasst wurden, waren die Behörden verblüfft, denn alle waren wichtige Mitglieder der kommunistischen Partei. Weshalb stahlen sie so viel Geld, das außerhalb von Rumänien wertlos ist und um das im ausgebeuteten Land selbst nichts Wertvolles gekauft werden kann?

Näher am Mond (Closer to the Moon) von Regisseur Nae Caranfil (bekannt für seinen rumänischen Film Filantropica; sein neuester Film 6.9 on the Richter Scale hat im Juni 2016 beim Transilvania International Film Festival Premiere gefeiert) wurde auf Englisch gefilmt und versucht der Frage auf vergnügliche Weise eine Antwort zu geben.

Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und ist eine der bedeutendsten Produktionen des rumänischen Films. Mark Strong (Kingsman: The Secret Service, Sherlock Holmes) spielt Max Rădoiu, ein Polizeioffizier, der genug hat von dem System, das er selbst mit aufgebaut hat. Als Mitglied der jüdischen Gemeinde, gehen ihm die Tendenzen in der Partei zu religiöser Säuberung entschieden gegen den Strich. Gemeinsam mit seinen Freunden Alice (Vera Farmiga), Politikwissenschaftlerin, Iorgu (Christian McKay), Geschichtsprofessor, Dumi (Tim Plester), Weltraumforscher, und Răzvan (Joe Armstrong), ein bekannter Journalist, plant Rădoiu sorgfältig den Raubüberfall, was von Caranfil durch lange Rückblenden gezeigt wird.

Die Helden nennen sich selbst rumänische Robin Hoods – eine treffende Bezeichnung. Doch was sie tatsächlich von der allmächtigen Partei stehlen und dem Rest des Landes geben, ist nicht Geld, sondern Hoffnung. Man kann den Frust der Securitate-Chefs gut verstehen, als das Geld gestohlen wird. Denn einer der am meisten angepriesenen Vorteile des Kommunismus war die geringe Verbrechensquote. Was den Fall jedoch besonders interessant, absurd und sogar surreal macht, ist, dass die fünf nach ihrer Verhaftung dazu gezwungen wurden, den Raubüberfall nachzustellen, damit ein Propagandafilm gedreht werden konnte.

Die Tragikomödie Näher am Mond wird ab 17. Oktober als Teil der Kollektion This is War verfügbar sein.

Quelle: Cineuropa

Freitag, 14. Oktober 2016, von Cineuropa

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