Macondo, kleiner Mann – ganz groß...

Nach seiner Premiere wurde der österreichische Film bei zahlreichen Festivals wie zum Beispiel in London, Seattle oder Hong Kong ausgezeichnet. Das Werk von Sudabeh Mortezai greift das Thema einer Kindheit auf, die ihrer Unschuld beraubt wurde.

Die Zuseher folgen auf Schritt und Tritt dem Protagonisten des Films, ein elfjähriger Junge auf dem viel Verantwortung lastet. Seine Mutter (Kheda Gazieva) arbeitet viel und zählt darauf, dass sich ihr Sohn Ramasan (Ramasan Minkailov) um seine kleinen Schwestern und um die Einkäufe kümmert. Da sie noch nicht gut Deutsch spricht, nimmt sie ihn auf die Behördengänge für ihren Asylantrag mit, damit er für sie alles ins Tschetschenische übersetzt.

Ramasans Vater starb einen Heldentot im Kampf gegen die Russen – einerseits Grund für Stolz, andererseits ein fehlendes männliches Vorbild für den Jungen. Als Moslem und ältester Sohn hat Aslan viele Aufgaben, an die er von den anderen tschetschenischen Flüchtlingen in der Unterkunft im Wiener Industriestadtteil Simmering erinnert wird – er wacht nicht nur über seine Schwestern, sondern fühlt sich auch für seine Mutter verantwortlich. Als er schließlich den Flüchtling Isa (Aslan Elbiev) kennenlernt, scheint dieser gerade recht zu kommen, um die Vaterrolle zu übernehmen. Isa kannte Ramasans Vater und gibt dem Jungen die Uhr, die sein Freund für seinen Sohn zur Seite gelegt hatte. Dank seiner Ratschläge und einem geschenkten Messer wird Isa zu dem männlichen Vorbild, das sich Ramasan so lange gewünscht hatte.

Ramasan blüht zwar einerseits dank dieser neuen Beziehung auf, fühlt sich aber auch im Zwiespalt, da er seinen Vater nicht vergessen möchte – der Drang, die Erinnerung an seinen Vater zu wahren wird noch dadurch verstärkt, dass sich seine Mutter und Isa einander annähern. Als der Junge die beiden beim Tanzen beobachtet, stehen ihm die Emotionen eindeutig ins Gesicht geschrieben – eine meisterliche Leistung des jungen Schauspielers.

Macondo ist Teil der Kollektion Award Winning Dramas von Walk this Way und wird ab 28. November als VoD verfügbar sein.

Quelle: Cineuropa

Macondo – Trailer:

Donnerstag, 24. November 2016, von Cineuropa

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