Straße der Hoffnung: ein komplexes Porträt von Reykjavik im Wandel

Das Drama des preisgekrönten isländischen Regisseurs Baldvin Zophoníasson’s porträtiert eine vom Schicksal gebeutelte Familie aus Reykjavik. Straße der Hoffnung (Life in a Fishbowl) folgt den Geschichten seiner drei Hauptcharaktere und verstrickt deren Leben durch gemeinsame Schlüsselmomente. Der Film wird ab 28. November als Teil der Kollektion Award Winning Dramas verfügbar sein.

Die Leben der drei Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Eik (Hera Hilmarsdottir) zieht ganz alleine ihre 8-jährige Tochter groß. Untertags arbeitet sie als Tagesmutter, in der Nacht verkauft sie ihren Körper für die Befriedigung der Bedürfnisse anderer. Warum sie sich die nötige Unterstützung nicht von ihrer Familie holt, wird im Lauf des Filmes aufgeklärt. Sie will um keinen Preis von den Menschen abhängig sein, die ihr unermessliches Leid zugefügt haben. Mori (Thorsteinn Bachmann) hat seit Jahren kein Buch mehr veröffentlicht. Abgeschottet vom Rest der Welt ertränkt er seinen Kummer und seine Gedichte im Alkohol; die Erinnerungen sind alles, was ihm bleibt. Nur das Schreiben und sein Zusammentreffen mit Eik und ihrer Tochter können ihn wieder zurück in die Gegenwart bringen. Sölvi (Thor Kristjansson) durchlebt einen kompletten Karrierewandel. Nach einer erfolgreichen Karriere als Sportler möchte er in das Immobiliengeschäft einsteigen. Unter dem wachsamen Blick seiner liebenden Frau, entdeckt er dabei, was hinter den verschlossenen Türen der Wohlstandsgesellschaft wirklich vorgeht.

Mithilfe dieser drei einander fremden Charaktere, deren Wege sich in der kleinen Stadt Reykjavik aber zwangsläufig kreuzen, spricht Straße der Hoffnung eine Vielzahl von für unsere Gesellschaft höchst prägnanten Themen an: die durch die Hysterie einiger weniger verursachte Wirtschaftskrise und weitläufige Insolvenz, die Gier der globalisierten Elite nach Grundstücken, der Hang der Menschen dazu, auch zweite Chancen im Leben zu verpassen, die Last von Familiengeheimnissen und die Neigung, unsere Augen vor der Wahrheit zu verschließen, die Distanz und das Nichtbeachten zwischen Menschen, die einander täglich über den Weg laufen, die Verletzlichkeit von Familien und die Isolation Alleinerziehender.

So gesehen ist Straße der Hoffnung ein Aggregat, die Summe der drei Handlungsstränge, die sich überkreuzen, ineinander übergehen und Einblick in verschiedene Aspekte der heutigen Gesellschaft bieten und gleichzeitig überraschende Beziehungen begründen.

Straße der Hoffnung fand in Island viel Anklang, wo es der Kassenschlager von 2014 war. Der Film wurde mit 12 Eddas – die isländischen Oscars – ausgezeichnet. Neben Preisen für Bachmann und Hilmarsdottir gab es auch Auszeichnungen für den Besten Film und die Beste Regie für Baldvin Zophoníasson, der trotz seiner sehr kurzen Filmografie schon einen wichtigen Platz im isländischen Kinogeschehen einnehmen konnte (Straße der Hoffnung ist erst sein zweites Werk).

Quelle: Cineuropa

Straße der Hoffnung – Trailer:

Donnerstag, 24. November 2016, von Cineuropa

facebook

twitter

youtube