Begegnungen nach Mitternacht: Eine surreale Orgie, die niemanden gleichgültig lässt

Es mag ganz selbstverständlich sein – oder auch nicht: Ein junges Paar, das das gewisse Etwas in ihrem Alltag vermisst und ihrer alltäglichen Routine müde geworden ist, beschließt mithilfe ihres tranvestitischen Hausmädchens, eine Orgie in ihrem Haus zu organisieren.

Yann Gonzalez’ Spielfilmdebüt Begegnungen nach Mitternacht (2013), für welches er ebenso das Drehbuch schrieb, befindet sich auf der Seite des Surrealen. Die Orgie findet im Haus des Paares (Kate Moran und Niels Schneider) und deren Hausmädchen (Nicolas Maury) statt, in dem verschiedenste Stereotypen erwartet werden: die Schlampe (Julie Brémond), der Star (Fabienne Babe), der „Hengst“ (Eric Cantona) und der Teenie (Alain-Fabien Delon). Béatrice Dalle hat ebenfalls einen Auftritt als Kommissarin.

Die sieben Gäste, voller Verlangen, treffen aufeinander und verstehen sich ausgezeichnet. Sie versammeln sich um eine Jukebox und erzählen sich in erster Linie Geschichten, in denen jeder seine Wunden aus der Vergangenheit preisgibt. Ebenso wie die Jukebox, die eine psychedelische Mischung aus Musik (komponiert von der Band M83) und buntem Licht abspielt, stellt der Film eine halluzinogene und ungezügelte Mischung aus Gefühlen, sowohl sexueller als auch romantischer Natur, dar.

Diese Gefühle strömen aus den Charakteren und überschreiten dabei die verhältnismäßigen Grenzen, um die Absurdität des menschlichen Verlangens zu erfassen – welches schließlich der wahre Akt der (irren) Liebe ist.

Nach der Enthüllung des Films als Special Screening in der Semaine de la Critique beim Internationalen Filmfestival Cannes 2013, wurde der Film ebenso für die Queer Week 2013 nominiert und gewann als bester Film beim Internationalen Filmfestival von Athen sowie dem Internationalen Filmfestival von Mailand in 2013.

„Für mich ist ein Film vor allem ein Zusammenspiel von Gesichtern, Stimmen und Farben,“ erklärt Gonzalez. „Ich liebe die Idee, mich auf nur einen Raum als Filmset zu begrenzen und ihn dann durch Bewegung, Musik und Montage filmisch aufzulösen. [...] Damit bin ich aufgewachsen, Fantasy- und Horror-Filme, von Brian de Palma und Dario Argento und noch viel obskureren Vertretern. Diese Art des Filmemachens, oft ohne großes Budget, kann dich dazu bringen, in quasi Nichts etwas zu sehen: im Schatten, im Wind, durch etwas außerhalb der Leinwand.“

An einem einzigen Drehort gefilmt, ähnlich dem klassischen Prinzip im Theater, ist Begegnungen nach Mitternacht ein einzigartiger Film, der niemanden gleichgültig lässt – weder Zuschauer, noch Kritiker – und das Lob, das der Regisseur erhalten hat, ist beachtlich: „Dieser abwechselnd sinnliche und alberne Pastiche legt nahe, dass Yann Gonzalez womöglich der nächste Almodovar oder Ozon ist,“ schreibt Variety.

Um sich eine eigene Meinung zu bilden, ist der Film als Teil der Reihe Ungewöhnliche Liebesgeschichten ab dem 15. Juli in Dänemark, Norwegen, Polen, Spanien, Schweden und der Türkei verfügbar.


Montag, 13. Juli 2015, von Cineuropa

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