Vanishing Waves: Eine virtuelle Eva

Genrefilme aus Ländern mit einer geringen Filmproduktionsrate sind eine Rarität und stoßen häufig auf eine Mischung aus Ablehnung und Unverständnis.

Während wir mit diesem litauischen Werk fernab vom Hollywood-Blockbuster Territorium sind, bemüht sich Kristina Buožytės Vanishing Waves (Originaltitel: Aurora) eine intelligente Science-Fiction Geschichte zu erzählen, parallel zu einer eher irdischen Handlung von Liebe und Leidenschaft. Der Film hatte seine Premiere beim East of the West Wettbewerb im Rahmen des Karlovy Vary Internationalen Film Festivals 2012 – und erhielt eine besondere Erwähnung.

Lukas (Marius Jampolskis) nimmt als Wissenschaftler an einem Experiment teil, welches ihn an die Gedanken eines anonymen Komapatienten anschließt. Zunächst empfängt Lukas nur einen Strom an Geräuschen und Bildern, nach einer Weile beginnt er jedoch eine unbekannte Frau zu sehen (Jurga Jutaite). Jedes Mal wenn er sich wieder an den Patienten anschließt, erfährt er mehr über diese Frau und beginnt schon bald leidenschaftlich etwas für diesen Jemand (oder Etwas) zu empfinden; obwohl es auch nur ein Hirngespinst seinerseits oder des Patienten sein könnte. Als sein Leben anfängt auseinanderzubrechen, entschließt er sich, herauszufinden wer dieser Patient ist und wie real die Frau aus seiner Traumwelt ist.

Vanishing Waves lässt sich von den damals zahlreichen osteuropäischen Sci-Fi-Filmen inspirieren, voll von kalten, weißen Forschungsbauten und impressionistischen Traumlandschaften. Der Effekt ist häufig verblüffend, mit einem besonders schönen Kontrast zwischen der realen Welt und den fremdartigen neuen Welten, die Lukas erforscht. Die Hauptdarsteller leisten ganze Arbeit, allem eine menschliche Dimension, durch starke, jedoch unaufdringliche Darbietungen zu verleihen; der Film generiert dadurch eine durchweg einzigartige Atmosphäre.

Vanishing Waves hat sich langsam einen beeindruckenden Ruf erworben und häuft die Preise nur so an (Méliès d’Or als bester europäischer Fantasyfilm 2012, Preis der Jury beim Neuchâtel International Fantastic Film Festival und Palic International Film Festival …) und stellt dabei unter Beweis, dass er die Grenzen des Publikums nach Genre durchbricht.

Der Film ist als Teil der Unerwartete Liebesgeschichten-Reihe ab dem 15. Juli in Dänemark, Finnland, Norwegen und der Türkei auf Walk This Way online.


Freitag, 24. Juli 2015, von Cineuropa

facebook

twitter

youtube