Isztambul: Die Freiheit, in der Ferne

Wie kann man nach der Trennung vom Vater seiner Kinder, nach einer Beziehung, die über drei Jahrzehnte angedauert hat, wieder zu sich selbst finden und ein neues Leben aufbauen? In seinem Film Isztambul versucht der ungarische Regisseur Ferenc Török eine Antwort auf diese Frage zu finden.

Isztambul beschreibt das Leben von Katalin (die niederländische Schauspielerin Johanna ter Steege), die seit 30 Jahren mit dem Architekturprofessor Janos (Andor Lukáts) verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern ist: der hochschwangeren Zsofi (Réka Tenki) und dem Studenten Zoli (Varga Norbert). Als Janos Katalin ganz plötzlich für eine seiner jungen Studentinnen verlässt, reagiert diese, noch unter Schock, auf eine für ihre Familie und die Gesellschaft ganz unverständliche Weise. Die Trennung und deren Folgen lösen bei Katalin weder Geschrei noch Weinen aus, sondern äußert sich in Schweigen und treibt sie schließlich, ohne jeglichen festen Plan, zur Flucht. Nachdem sie ins Krankenhaus eingeliefert wird, wo man ihr Beruhigungsmittel verabreicht, ergreift sie die Flucht, die sie bis in die Türkei und zur Begegnung mit sich selbst und dem türkischen Baustellenleiter Halil (Yavus Bingol) führt. Als ihre Familie von ihrer Flucht erfährt, alarmiert sie sofort die Polizei und begibt sich auf die Suche nach ihr.

Die empfindliche Katalin begreift, dass sie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat: Sie hat sich von ihrer unterdrückerischen Familie befreit und ihr Glück anderswo wiedergefunden. Ferenc Török (Regisseur von sieben Spielfilmen, darunter der preisgekrönte Film Moscow’s Square und der 2014 erschienene Film No Man’s Island) folgt ihren übersteigerten Reaktionen ganz nahe, was diesen Film zu einem wunderbar intimen, subtilen und berührenden Film macht.

Nach dem Dublin International Film Festival 2011, dem Internationalen Filmfestival Shanghai 2012 und seiner Kinopremiere in Ungarn im Februar 2012, kann Isztambul jetzt in 13 europäischen Ländern angeschaut werden: Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Schweden, Großbritannien, Deutschland, Irland, Polen, Norwegen, Spanien, Slowakei und Ungarn.

Isztambul, dessen Drehbuch vom Regisseur geschrieben wurde, ist eine Koproduktion zwischen Ungarn, den Niederlanden, Irland und der Türkei.

Montag, 27. Juli 2015, von Cineuropa

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