Paulette: Die bitterböse Oma wird zur zuckersüßen Dealerin

Nach L’origine du monde aus dem Jahr 2001 hat Jérôme Enrico, der Sohn des Regisseurs Robert Enrico (Abschied in der Nacht), mit Paulette eine Sozialkomödie gedreht, die von älteren Menschen handelt, die zu dealen beginnen, um ihren prekären wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen zu entkommen.

Das Drehbuch wurde vom Regisseur gemeinsam mit Bianca Olsen, Laurie Aubanel und Cyril Rambour geschrieben und basiert auf einer Zeitungsmeldung. Die Protagonistin Paulette ist eine völlig ausgelaugte, verbitterte, rassistische und geizige Witwe, die mitten in einem Viertel voller Dealer und Kleinkrimineller wohnt. Ihr Alltag besteht darin, die Restposten vom Markt einzusammeln, ihrem, unglücklicherweise schwarzen, Schwiegersohn und halbafrikanischen Enkelsohn gegenüber die mürrische Schwiegermutter und Oma zu mimen, mit ihren Freundinnen Karten zu spielen und all jene Männer, die es wagen sich für sie zu interessieren, zu verachten.

Als ihr eines Tages während einer Verfolgungsjagd zwischen Polizei und Gaunern zufällig eine geraume Menge Haschisch in die Hände fällt, sieht sie darin einen Wink des Schicksals. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, beginnt Paulette zu dealen. Das Geschäft läuft gut, aber die Kleinganoven sind eifersüchtig auf die geschäftstüchtige Oma. Und so sieht sie sich gezwungen, ihre illegale Aktivität einzustellen. Doch als sie eines Tages drei Freundinnen zum Tee einlädt, mischt sie versehentlich Cannabis in ihren Kuchen und die Wirkung des „Space Cakes“ lässt nicht lange auf sich warten ...

Und so steigt Paulette nicht nur wieder ins Drogengeschäft ein, sondern beginnt sich langsam auch zu verändern, erzählt der Regisseur: „Paulette ist eine Deklassierte, die einem ganz speziellen sozialen Kontext angehört. Sie verändert sich körperlich und auch ihre Stimmung schwingt um, als sie nach und nach ihre Würde wiedererlangt. (…) Paulette ist kein Film über Cannabis, sondern vielmehr ein Film über die Ungewissheit und die Einsamkeit, mit der ältere Menschen konfrontiert sind ... aber in erster Linie ist Paulette eine Komödie!“

An der Seite der erfahrenen Bernadette Lafont, der 2013 verstorbenen Ikone der Nouvelle Vague, (ihre letzten Hauptrollen spielte sie in Paulette und Attila Marcel, die beide am 1. September erscheinen) sind Dominique Lavanant, Françoise Bertin (2014 verstorben) und die Spanierin Carmen Maura (Nur für Personal!) als aufgeweckte, gewiefte, liebenswürdige Omis zu sehen, die es schaffen, ihren prekären Verhältnissen zu entkommen. Und das, dank – bis zur letzten Szene des Films –überraschender Lösungen.

Nach seinem unerwarteten Erfolg in den französischen Kinos (1,02 Millionen verkaufter Tickets 2013) ist Paulette ab dem 1. September als VoD in Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Irland und der Türkei zu sehen. Der Film ist Teil der 9-teiligen Kollektion Französische Komödien

 

Montag, 14. September 2015, von Cineuropa

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